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Rechtsprechung · Bundesgerichtshof

BGH, Urteil vom 15.06.2021 – X ZR 61/19

Patentnichtigkeitssache: Erstmaliger Einsatz eines seit Jahrzehnten bekannten Funktionsprinzips bei Vorrichtungen mit ebenfalls seit Jahrzehnten bekanntem Einsatzzweck, Aufbau und bekannter Funktionsweise - Laufradschnellspanner
Spruchkörper
10. Zivilsenat
ECLI
ECLI:DE:BGH:2021:150621UXZR61.19.0
Normenkette
Art 56 EuPatÜbk, § 4 PatG

Leitsatz

Laufradschnellspanner

Wenn ein Funktionsprinzip für sich gesehen seit vielen Jahrzehnten bekannt ist, bedarf es in der Regel einer zusätzlichen Anregung, um dieses Prinzip erstmals bei Vorrichtungen einzusetzen, deren Einsatzzweck, Aufbau und Funktionsweise ebenfalls seit vielen Jahrzehnten bekannt sind.

Tenor

Auf die Berufung der Klägerin wird das Urteil des 1. Senats (Nichtigkeitssenats) des Bundespatentgerichts vom 28. Februar 2019 unter Zurückweisung des weitergehenden Rechtsmittels abgeändert.

Das europäische Patent 1 801 005 wird mit Wirkung für das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland dadurch teilweise für nichtig erklärt, dass die Patentansprüche wie folgt geändert werden:

In Patentanspruch 1 werden die Wörter „Schnellspanner (1), insbesondere für Fahrräder“ ersetzt durch „Verwendung eines Laufradschnellspanners (1) zur Befestigung eines Laufrades an einem Fahrrad“.

In den Patentansprüchen 2 bis 14 wird das Wort „Schnellspanner“ ersetzt durch „Verwendung des Laufradschnellspanners“.

In den Patentansprüchen 15 und 16 wird das Wort „Rad“ jeweils ersetzt durch „Laufrad“.

In Patentanspruch 15 wird ferner das Wort „Schnellspanner“ jeweils ersetzt durch „Laufradschnellspanner“.

Von den erstinstanzlichen Kosten des Rechtsstreits tragen die Klägerin 70 % und die Beklagte 30 %. Von den zweitinstanzlichen Kosten tragen die Klägerin 85 % und die Beklagte 15 %.

Von Rechts wegen

Tatbestand

Randnummer 1

Die Beklagte ist Inhaberin des mit Wirkung für die Bundesrepublik Deutschland erteilten europäischen Patents 1 801 005 (Streitpatents), das am 19. Dezember 2006 unter Inanspruchnahme einer deutschen Priorität vom 24. Dezember 2005 angemeldet worden ist und einen Schnellspanner, insbesondere für Fahrräder betrifft. Patentanspruch 1, auf den dreizehn weitere Ansprüche zurückbezogen sind, lautet in der Verfahrenssprache:

Schnellspanner (1), insbesondere für Fahrräder, mit einer sich in axialer Richtung erstreckenden Zugstange (6), einem Endstück (8), an einem ersten Ende der Zugstange, einem Spannstück (2) an dem zweiten Ende der Zugstange und mit einer Spanneinrichtung (11) zum Spannen des Spannstücks, wobei die Spanneinrichtung (11) einen Hebel (11a) zum Aufbringen der Spannkraft und eine Spannhülse mit einem Übertragungsabschnitt (11c) zum Übertragen der Spannkraft auf einen Eingriffsabschnitt (2b) des Spannstücks (2) umfasst, dadurch gekennzeichnet, dass der Hebel (11a) gegenüber dem Spannstück (2) in der axialen Richtung der Zugstange (6) beweglich angeordnet ist und gegen die Vorspannung einer Vorspannfeder (5) in der axialen Richtung der Zugstange (6) nach außen von einer Eingriffsstellung (20) in eine Drehposition (30) bewegbar ist, in der eine Winkelstellung des Hebels unabhängig von dem Spannungszustand einstellbar ist.

Randnummer 2

Patentanspruch 15, auf den ein weiterer Anspruch zurückbezogen ist, schützt ein Rad mit einer Felge, einer Nabe und einem Schnellspanner mit entsprechenden Merkmalen, der zur Befestigung des Rads an einem Fahrrad vorgesehen ist.

Randnummer 3

Die Klägerin hat das Streitpatent wegen mangelnder Patentfähigkeit angegriffen. Die Beklagte hat das Streitpatent mit einem Hauptantrag und vier Hilfsanträgen in geänderten Fassungen verteidigt. In der Fassung des erstinstanzlichen Hauptantrags sind in Anspruch 1 die Wörter "Schnellspanner (1), insbesondere für Fahrräder" ersetzt durch "Laufradschnellspanner (1) zur Befestigung eines Laufrades an einem Fahrrad" und in Anspruch 15 das Wort "Rad" jeweils durch das Wort "Laufrad".

Randnummer 4

Das Patentgericht hat das Streitpatent für nichtig erklärt, soweit sein Gegenstand über die mit dem erstinstanzlichen Hauptantrag verteidigte Fassung hinausgeht, und die Klage im Übrigen abgewiesen. Die Kosten des Rechtsstreits hat es gegeneinander aufgehoben.

Randnummer 5

Mit ihrer Berufung strebt die Klägerin weiterhin die vollständige Nichtigerklärung des Streitpatents an. Die Beklagte hat zunächst beantragt, die Berufung zurückzuweisen. Nunmehr verteidigt sie das Streitpatent in einer Fassung, in der das Wort "Laufradschnellspanner" ersetzt ist durch "Verwendung eines Laufradschnellspanners". Ferner strebt sie eine Korrektur der erstinstanzlichen Kostenentscheidung zu ihren Gunsten an.

Gründe

Randnummer 6

Die Berufung ist zulässig, aber nur begründet, soweit die Beklagte das Streitpatent in der Fassung des angefochtenen Urteils nicht mehr verteidigt.

Randnummer 7

I. Das Streitpatent betrifft in seiner noch verteidigten Fassung die Verwendung eines Schnellspanners zum schnellen Ein- und Ausbau von Laufrädern an Fahrrädern.

Randnummer 8

1. Nach der Beschreibung des Streitpatents bestanden bekannte Schnellspanner aus einer Mutter nebst einem Anschlag zur Einstellung der Klemmlänge und einem Exzenter, durch dessen Umlegen die erforderliche Klemmkraft aufgebracht werden kann (Abs. 3). Das sei nachteilig, weil die Klemmkraft nicht schon bei der Einstellung der Mutter überprüft werden könne, sondern erst durch das Umlegen des Exzenters, und weil es deshalb gewöhnlich mehrerer Zyklen bedürfe, bis die Klemmlänge passe und die Klemmkraft ausreiche (Abs. 4).

Randnummer 9

2. Das Streitpatent betrifft vor diesem Hintergrund das technische Problem, einen Schnellspanner bereitzustellen, der einfacher und schneller zu bedienen ist.

Randnummer 10

3. Zur Lösung schlägt das Streitpatent in der verteidigten Fassung von Anspruch 1 eine Verwendung mit den folgenden Merkmalen vor:

1. Verwendung eines Laufradschnellspanners (1) zur Befestigung eines Laufrades an einem Fahrrad, mit

2. einer sich in axialer Richtung erstreckenden Zugstange (6),

3. einem Endstück (8) an einem ersten Ende der Zugstange,

4. einem Spannstück (2) an dem zweiten Ende der Zugstange und

5. einer Spanneinrichtung (11) zum Spannen des Spannstücks, die umfasst:

5.1 einen Hebel (11a) zum Aufbringen der Spannkraft und

5.2 eine Spannhülse mit einem Übertragungsabschnitt (11c) zum Übertragen der Spannkraft auf einen Eingriffsabschnitt (2b) des Spannstücks (2).

6. Der Hebel (11a) ist gegenüber dem Spannstück (2) in der axialen Richtung der Zugstange (6) beweglich angeordnet

6.1 und gegen die Vorspannung einer Vorspannfeder (5) in der axialen Richtung der Zugstange (6) nach außen von einer Eingriffsstellung (20) in eine Drehposition (30) bewegbar.

6.2 In dieser Drehposition (30) ist eine Winkelstellung des Hebels unabhängig von dem Spannungszustand einstellbar.

Randnummer 11

4. Patentanspruch 15 schützt in der erst- und zweitinstanzlich verteidigten Fassung ein Laufrad mit einem Schnellspanner, der entsprechende Merkmale aufweist. Dieser Gegenstand ist nicht anders zu beurteilen als derjenige von Patentanspruch 1.

Randnummer 12

5. Verschiedene Begriffe bedürfen näherer Erläuterung.

Randnummer 13

a) Ein Schnellspanner im Sinne von Merkmal 1 ist eine Vorrichtung, mit der sich auf einfache und schnelle Weise eine Spannkraft erzeugen und bei Bedarf wieder abbauen lässt.

Randnummer 14

In der verteidigten Fassung des Streitpatents ist die Verwendung eines Schnellspanners zur Befestigung eines Laufrads an einem Fahrrad geschützt.

Randnummer 15

Damit scheiden die Verwendung zur Befestigung anderer Fahrradteile wie etwa eines Sattelrohres oder eines Lenkers und die Verwendung zur Befestigung von Teilen an anderen Gegenständen wie etwa einer Werkzeugmaschine oder einem Rollator aus.

Randnummer 16

b) Als Mittel zum Aufbringen der Spannkraft sehen die Merkmale 5.1 und 5.2 einen Hebel (11a), eine Spannhülse mit einem Übertragungsabschnitt (11c) und ein Spannstück (2) mit einem Eingriffsabschnitt (2b) vor.

Randnummer 17

aa) Bei den in der Streitpatentschrift geschilderten und unter anderem in den nachfolgend wiedergegebenen Figuren 1 und 3 dargestellten Ausführungsbeispielen wird die Spannkraft - anders als bei den als Stand der Technik gewürdigten Schnellspannern - nicht durch einen Exzenter erzeugt, sondern durch eine Drehbewegung des Hebels (11a).

Randnummer 18

Die Drehbewegung des Hebels (11a) wird mit dem Übertragungsabschnitt (11c) auf einen Eingriffsabschnitt (2b) des Spannstücks (2) übertragen. Dadurch kann das Spannstück (2) mittels eines Gewindes auf die Zugstange (6) aufgeschraubt werden. Dies verkürzt den Abstand zwischen dem Spannstück (2) und dem Endstück (8) am anderen Ende der Zugstange (6) und erzeugt so die erforderliche Spannkraft, um das Laufrad zu befestigen, durch dessen Achse die Zugstange in montiertem Zustand verläuft.

Randnummer 19

bb) Patentanspruch 1 lässt demgegenüber offen, mit welcher Art von Bewegung die Kraftübertragung erfolgt. In Einklang damit bezeichnet die Beschreibung die im Ausführungsbeispiel gewählte Lösung mit einem Innengewinde im Spannstück und einem Außengewinde an der Zugstange als bevorzugte Weiterbildung (Abs. 15 f.).

Randnummer 20

Ausreichend ist deshalb, dass die Vorrichtung so ausgelegt ist, dass sie die Befestigung und das Lösen des Laufrads mit geringem Bewegungs- und Justierungsaufwand ermöglicht.

Randnummer 21

c) Um schon mit dem ersten Betätigungsvorgang die gewünschte Klemmkraft und zugleich eine vorteilhafte Endposition des Hebels erreichen zu können, sieht Merkmalsgruppe 6 vor, dass der Hebel (11a) gegen die Vorspannung einer Feder (5) so nach außen bewegbar ist, dass eine weitere Drehbewegung keinen Einfluss auf den Spannungszustand mehr hat.

Randnummer 22

Die beiden unterschiedlichen Positionen, die der Hebel (11a) danach einnehmen kann, sind in den nachfolgend wiedergegebenen Figuren 3a und 3b als Eingriffsstellung (20) und Drehposition (30) dargestellt.

Randnummer 23

Diese Beweglichkeit wird dadurch erreicht, dass der Hebel (11a) mitsamt dem Übertragungsabschnitt (11c) gegen die Kraft einer Feder (5) radial nach außen (in der zeichnerischen Darstellung: nach oben) bewegt werden kann. In dieser Position steht der Übertragungsabschnitt (11c) nicht mehr in Eingriff mit dem Eingriffsabschnitt (2b). Der Hebel (11a) kann deshalb gedreht werden, ohne dass sich das Spannstück (2) mitdreht. Dies ermöglicht es, die Position des Hebels (11a) zu verändern, obwohl die gewünschte Spannkraft bereits erreicht und eine weitere Drehbewegung des Spannstücks (2) deshalb untunlich ist.

Randnummer 24

In diesem Zusammenhang sieht Merkmal 6.2 lediglich vor, dass der Hebel (11a) in eine Drehposition bewegbar sein muss. Nicht zwingend vorgesehen ist, dass die Drehbewegung des Hebels wie im Ausführungsbeispiel um die Achse der Zugstange (30) herum möglich sein muss.

Randnummer 25

d) Hinsichtlich des Endstücks (8) gibt Merkmal 3 lediglich eine Position vor, nicht aber eine bestimmte Beschaffenheit.

Randnummer 26

In Einklang damit bezeichnet die Beschreibung die im Ausführungsbeispiel gewählte Lösung mit einer Schnellspannmutter (8) (Abs. 57), d.h. einem separaten Bauteil mit Innengewinde, das mit einem Außengewinde der Zugstange zusammenwirkt, als bevorzugte Weiterbildung (Abs. 15 f.). Als weitere Möglichkeit nennt die Beschreibung in diesem Zusammenhang eine einstückige Ausbildung von Endstück und Zugstange; dann sei dort ein Gewinde nicht nötig (Abs. 17).

Randnummer 27

Aus der Funktion, die dem Endstück nach der Erfindung zukommt, ergibt sich, dass dieses so ausgebildet sein muss, dass es zusammen mit dem am anderen Ende der Zugstange angebrachten Spannstück die angestrebte Spannkraft aufbringen kann. In welcher Weise dies geschieht, ist nicht im Einzelnen festgelegt.

Randnummer 28

Ob das Endstück auch in einem Gewinde bestehen kann, das es ermöglicht, die Zugstange mit geringem Bewegungsaufwand und ohne Werkzeug in ein entsprechendes Gewinde am Fahrrad einzuschrauben, bedarf keiner abschließenden Entscheidung. Das Streitpatent erweist sich in der verteidigten Fassung aus den nachfolgend dargelegten Gründen auch dann als rechtsbeständig, wenn diese Frage zugunsten der Nichtigkeitsklägerin bejaht wird.

Randnummer 29

II. Das Patentgericht hat seine Entscheidung im Wesentlichen wie folgt begründet:

Randnummer 30

Der verteidigte Gegenstand des Patentanspruchs 1 sei durch das US-Patent 5 356 237 (K4) nicht vorweggenommen. Die dort offenbarte Spannvorrichtung für die Befestigung eines höhenverstellbaren Griffrohres an einem Rollator sei für die Befestigung eines Laufrades an einem Fahrrad nicht geeignet. Entsprechendes gelte für die im US-Patent 4 598 614 (K5) und in der deutschen Offenlegungsschrift 33 47 433 (K5a) offenbarten Handhebel für Werkzeugmaschinen und den in der europäischen Patentanmeldung 1 211 585 (K9) offenbarten Klemmhebel. K5 und K5a offenbarten darüber hinaus kein Endstück.

Randnummer 31

Ausgehend von den genannten Entgegenhaltungen sei der verteidigte Gegenstand des Streitpatents nicht nahegelegt gewesen. Nichts anderes gelte für Entgegenhaltungen, die Schnellspanner der am Prioritätstag üblichen Bauart mit Exzenter offenbarten, wie etwa die 1951 veröffentlichte deutsche Patentschrift 806 200 (B1; Erfinder: Tullio Campagnolo) oder der kurz vor dem Prioritätstag erschienene Testbericht in der Zeitschrift Bike (Heft 7/2005, S. 126 ff., K11).

Randnummer 32

Dem Gegenstand des Streitpatents am nächsten komme das deutsche Gebrauchsmuster 297 14 945 (K6). Dieses offenbare einen Laufradschnellspanner mit den Merkmalen 1 bis 5.1 und 6. Merkmal 5.2 sei teilweise verwirklicht und im Übrigen nahegelegt. Weder offenbart noch nahegelegt sei hingegen eine Weiterentwicklung im Sinne der Merkmale 6.1 und 6.2. Der in K6 offenbarte Hebel sei abnehmbar und komme damit einem speziellen Werkzeug für das Schnellspannen gleich. Der Fachmann habe keinen Anlass gehabt, diesen Hebel am Schnellspanner zu belassen und im Sinne der Merkmale 6.1 und 6.2 auszubilden.

Randnummer 33

Eine Kombination von K6 mit K4, K5, K9 oder dem taiwanesischen Gebrauchsmuster 557797 (K12) sei ebenfalls nicht nahegelegt gewesen. Die schon lange bekannten und für Werkzeuge verwendeten Klemmhebel hätten über Jahrzehnte keinen Einfluss auf die Befestigung von Laufrädern gehabt. Die in K4 gezeigte Vorrichtung für einen Rollator gebe jedenfalls wegen der geringen Belastungen im Zusammenhang mit der vorgesehenen Benutzung keine Veranlassung, die Vorrichtung auch für die Weiterentwicklung eines Laufradschnellspanners heranzuziehen. K12 offenbare zwar auch Fahrradteile. Jedoch gehe es dort nicht um die Befestigung von Laufrädern, sondern um die Befestigung von Fahrradsätteln und -lenkern, bei der eher geringe Belastungen aufträten.

Randnummer 34

In dem belgischen Patent 488 926 (K8) seien die Merkmale 5.2 bis 6 nicht offenbart. Der dort gezeigte Laufradschnellspanner sei aufwändig aufgebaut. Er habe zwar in vielfacher Hinsicht abgewandelt und verbessert werden können. Davon habe die Fachwelt aber seit 1949 keinen Gebrauch gemacht. Als Verbesserung liege allenfalls der in K6 offenbarte abnehmbare Hebel nahe.

Randnummer 35

Zwar hätten K8 oder K6 in Verbindung mit dem weiteren Stand der Technik möglicherweise eine neue Richtung bei Laufradschnellspannern aufzeigen können. Die Fachwelt habe dies aber nicht aufgegriffen, obwohl das Gebiet der Fahrradtechnik stark umkämpft und die Entwicklungszyklen dort sehr kurz seien.

Randnummer 36

Die übrigen Entgegenhaltungen lägen weiter ab und könnten schon deshalb nicht zu einem anderen Ergebnis führen.

Randnummer 37

III. Diese Erwägungen halten der Überprüfung im Berufungsverfahren stand.

Randnummer 38

1. Der verteidigte Gegenstand des Streitpatents ist neu.

Randnummer 39

a) Wie das Patentgericht zutreffend ausgeführt hat und auch die Berufung nicht in Zweifel zieht, offenbart K4 eine Spannvorrichtung für den Handgriff eines Rollators, nicht aber die Verwendung einer solchen Vorrichtung zur Befestigung eines Laufrads an einem Fahrrad.

Randnummer 40

b) Eine solche Verwendung ist auch in K5, K5a und K9 sowie dem taiwanesischen Gebrauchsmuster 424674 (B13) nicht offenbart.

Randnummer 41

Die dort offenbarten Klemmhebel mit den Merkmalen 6 bis 6.2 können zwar für verschiedenste Anwendungszwecke eingesetzt werden (vgl. etwa K5a S. 4 unten). Dem Umstand, dass K5a das Ziel anstrebt, einen Handhebel aus Kunststoff auch für Befestigungselemente einsetzen zu können, bei denen ein hohes Drehmoment übertragen werden muss (S. 5 Abs. 2 f.), mag darüber hinaus zu entnehmen sein, dass solche Hebel auch für Vorrichtungen geeignet sind, die die für die Befestigung eines Laufrads an einem Fahrrad erforderlichen Spannkräfte entfalten können. Indessen wird eine solche Verwendung an keiner Stelle unmittelbar und eindeutig offenbart (vgl. zu diesem Maßstab etwa BGH, Urteil vom 18. Juni 2013 - X ZR 35/12, GRUR 2013, 1121 Rn. 34 - Halbleiterdotierung; Urteil vom 8. Juli 2010 - Xa ZR 124/07, GRUR 2010, 910 Rn. 62 - Fälschungssicheres Dokument; Urteil vom 16. Dezember 2008 - X ZR 89/07, GRUR 2009, 382 Rn. 25 - Olanzapin).

Randnummer 42

c) Eine abweichende Beurteilung ergibt sich selbst dann nicht, wenn zugunsten der Berufung unterstellt wird, dass vor dem Prioritätstag Klemmhebel der in K5, K5a, K9 und B13 offenbarten Art zusammen mit Gewindestangen verfügbar waren, die aufgrund ihrer Abmessungen und der möglichen Kraftentfaltung für die Befestigung eines Laufrads an einem entsprechend ausgestatteten Fahrrad geeignet waren. Auch das könnte allenfalls die Möglichkeit einer streitpatentgemäßen Verwendung begründen, reicht aber für eine unmittelbare und eindeutige Offenbarung einer solchen Verwendung nicht aus.

Randnummer 43

2. Der verteidigte Gegenstand war durch den Stand der Technik auch nicht nahegelegt.

Randnummer 44

a) Wie das Patentgericht zutreffend dargelegt hat, ergab sich aus dem Stand der Technik keine Anregung, den in K6 offenbarten Schnellspanner in Richtung auf eine streitpatentgemäße Vorrichtung weiterzuentwickeln.

Randnummer 45

aa) K6 zeigt eine Vorrichtung zum Befestigen eines Laufrads an einem Fahrrad. Ein Ausführungsbeispiel ist in der nachfolgend wiedergegebenen Figur 1 dargestellt.

Randnummer 46

bb) Damit sind, wie das Patentgericht zutreffend und unangegriffen dargelegt hat, die Merkmale 1 bis 5.1 und 6 offenbart und das Merkmal 5.2 nahegelegt.

Randnummer 47

cc) Ebenfalls zutreffend und unangegriffen hat das Patentgericht entschieden, dass die Merkmale 6.1 und 6.2 nicht offenbart sind, weil der Hebel (40) zwar axial beweglich und abnehmbar, nicht aber in eine Position bewegbar ist, in dem seine Winkelstellung unabhängig vom Spannungszustand einstellbar ist.

Randnummer 48

dd) Zu Recht hat das Patentgericht entschieden, dass eine Weiterentwicklung in Richtung auf die Merkmale 6.1 und 6.2 ausgehend von K6 nicht naheliegend war.

Randnummer 49

(1) Wie das Patentgericht zutreffend dargelegt hat, bedurfte es einer beweglichen Anordnung des in K6 offenbarten Hebels (40) im Sinne der Merkmale 6.1 und 6.2 nicht.

Randnummer 50

Auch bei der in K6 offenbarten Ausgestaltung kann es zwar dazu kommen, dass sich der Hebel (40) nach Befestigung des Laufrads in einer für die Benutzung des Fahrrads ungünstigen Position befindet. Dies ist aber unschädlich, weil der Hebel nach Befestigung des Laufrads abgenommen werden kann.

Randnummer 51

(2) Selbst wenn Anlass bestanden hätte, die in K6 offenbarte Vorrichtung mit einem nicht abnehmbaren Hebel zu versehen, - etwa deshalb, weil der Möglichkeit zum schnellen Wechsel des Laufrads bei bestimmten Einsatzzwecken mehr Gewicht zukommt als dem Aspekt des Diebstahlsschutzes - ergab sich auch daraus keine Veranlassung, einen Klemmhebel der in K5, K5a, K9 und B13 offenbarten Art in Betracht zu ziehen.

Randnummer 52

Wie bereits oben dargelegt wurde, hebt K5a die Einsetzbarkeit solcher Hebel für verschiedenste Anwendungszwecke hervor. Daraus ergab sich, wie das Patentgericht zu Recht angenommen hat, dennoch keine hinreichende Veranlassung, dieses vor allem für Werkzeugmaschinen eingesetzte Bauteil auch für Schnellspanner nach dem Vorbild von K6 in Betracht zu ziehen.

Randnummer 53

Gegen eine solche Kombination spricht insbesondere der Umstand, dass K8 bereits eine Schnellspannvorrichtung mit einem ähnlichen Funktionsprinzip wie K6 zeigt, bei der der Hebel nicht abnehmbar ist, aber auch nicht die Merkmale 6 bis 6.2 verwirklicht sind. Diese aus dem Jahr 1949 stammende Entgegenhaltung ist zwar geraume Zeit vor dem Prioritätstag veröffentlicht worden. Auch Klemmhebel der in K5a offenbarten Art standen am Prioritätstag aber schon seit Jahrzehnten zur Verfügung. So stammt K5a, die sich mit der Verbesserung solcher Vorrichtungen befasst, aus dem Jahr 1983. Der vorgelegte Artikel aus Wikipedia (K10) zeigt, wie schon das Patentgericht ausgeführt hat, einen Klemmhebel, dem die Jahreszahl 1952 zugeordnet ist. Bei dieser Ausgangslage bedurfte es einer zusätzlichen Anregung, um das Funktionsprinzip des Klemmhebels auch im Zusammenhang mit einer Schnellspannvorrichtung für Laufräder einzusetzen.

Randnummer 54

(3) Aus K4 ergab sich zwar, dass Vorrichtungen nach Art eines Klemmhebels auch bei anderen Gegenständen als Werkzeugmaschinen einsetzbar sind. Wie das Patentgericht zutreffend angenommen hat, bestand ausgehend von K6 aber keine Veranlassung, diese Entgegenhaltung heranzuziehen, weil daraus nicht erkennbar ist, dass die dort offenbarte Vorrichtung die für die Befestigung eines Laufrads an einem Fahrrad erforderlichen Spannkräfte aufbringen kann.

Randnummer 55

(4) Vor diesem Hintergrund ergaben sich aus K12 ebenfalls keine weitergehenden Anregungen.

Randnummer 56

In K12 wird ein Mechanismus der in K5a offenbarten Art zwar zur Befestigung von Teilen an einem Fahrrad eingesetzt. Daraus ergab sich aber schon deshalb keine hinreichende Anregung, diese Lösung auf einen Schnellspanner nach dem Vorbild von K6 zu übertragen, weil für diesen Einsatzzweck andere Lösungsansätze etabliert waren.

Randnummer 57

b) Ebenfalls zutreffend hat das Patentgericht angenommen, dass sich ausgehend von K8 keine weitergehenden Anregungen ergaben.

Randnummer 58

aa) K8 offenbart einen Schnellspanner zur Befestigung einer Fahrradnabe. Zur Befestigung dient ein Hebel (8), der eine Drehbewegung auf eine Zugstange (3) überträgt. Ein Ausführungsbeispiel ist in der nachfolgend wiedergegebenen Figur 1 dargestellt.

Randnummer 59

bb) Damit sind, wie auch die Berufung nicht in Zweifel zieht, lediglich die Merkmale 1 bis 5.1 offenbart, nicht aber die Merkmale 6 bis 6.2.

Randnummer 60

Der Hebel (8) ist fest montiert und kann nicht bewegt werden, ohne dass zugleich eine Krafteinwirkung auf die Zugstange (3) auftritt.

Randnummer 61

cc) Anders als bei der in K6 offenbarten Vorrichtung kann damit das Problem auftreten, dass sich der Hebel (8) nach Befestigung des Laufrads in einer für die Benutzung des Fahrrads ungünstigen Position befindet. Wie bereits oben ausgeführt wurde, war ein Klemmhebel der in K5a offenbarten Art geeignet, dieses Problem zu lösen. Auch ausgehend von K8 ergab sich aus dem Stand der Technik aus den oben genannten Gründen jedoch keine Veranlassung, dieses Mittel für einen Laufradschnellspanner in Betracht zu ziehen.

Randnummer 62

c) Die weiteren Entgegenhaltungen liegen, wie das Patentgericht zu Recht angenommen hat, weiter ab und können deshalb nicht zu einer abweichenden Beurteilung führen.

Randnummer 63

IV. Die Kostenentscheidung beruht auf § 121 Abs. 1 PatG und § 97 Abs. 1 sowie § 92 Abs. 1 ZPO.

Randnummer 64

Entsprechend der Anregung der Beklagten ist die erstinstanzliche Entscheidung - die gemäß § 308 Abs. 2 ZPO unabhängig von einer Anschlussberufung von Amts wegen zu überprüfen ist (BGH, Urteil vom 24. November 1980 - VIII ZR 208/79, NJW 1981, 1453, juris Rn. 22; Urteil vom 3. Juni 1987 - IVb ZR 68/86, NJW 1988, 568, juris Rn. 16) - zugunsten der Beklagten zu korrigieren.

Randnummer 65

Durch die beschränkte Verteidigung des Streitpatents ist dessen Gegenstand zwar in erheblichem Maße beschränkt worden, weil nach der erteilten Fassung die Eignung des Schnellspanners zur Befestigung eines Laufrads an einem Fahrrad nicht zwingend erforderlich war. Angesichts der aus dem Stand der Technik ersichtlichen Unterscheidung zwischen einzelnen Einsatzbereichen und des Umstands, dass es in dem Verletzungsrechtsstreit, dessen Streitwert maßgeblich in die Festsetzung des Nichtigkeitsstreitwerts eingeflossen ist, um eine Vorrichtung zur Befestigung eines Laufrads geht, erscheint eine Kostenaufhebung aber zu weitgehend. Angemessen erscheint es demgegenüber, der Beklagten aufgrund der beiden in erster und zweiter Instanz vorgenommenen Beschränkungen jeweils 15 % der Kosten aufzuerlegen.

Randnummer 66

Von den Kosten der ersten Instanz hat die Beklagte mithin 30 % zu tragen, von den Kosten der Berufungsinstanz 15 %.

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