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Rechtsprechung · OLG Köln

OLG Köln, Beschluss vom 22.05.2023 – 20 W 8/23

Spruchkörper
20. Zivilsenat
ECLI
ECLI:DE:OLGK:2023:0522.20W8.23.00
Normenkette
VVG § 5a GKG § 43 GKG § 44

Leitsatz

Verlangt ein Versicherungsnehmer aufgrund eines Widerspruchs nach § 5 a VVG a.F. die bereicherungsrechtliche Rückabwicklung eines Versicherungsvertrages, ist bei der Streitwertfestsetzung auch ein in diesem Rahmen geltend gemachter Anspruch auf Herausgabe von Nutzungen zu berücksichtigen (BGH, Beschl. v. 19.12.2018 – IV ZB 10/18, juris).

Dies gilt auch für den Gebührenstreitwert.

Tenor

Die Streitwertbeschwerde der Klägerin vom 31.03.2023 gegen die im Urteil des Landgerichts Köln vom 02.01.2023 – 26 O 120/22 – erfolgte Streitwertfestsetzung wird zurückgewiesen.

Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei; außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Gründe

Randnummer 1

20 W 8/23 26 O 120/22 Landgericht Köln | |

Randnummer 2

Oberlandesgericht Köln

Randnummer 3

Beschluss

Randnummer 4

In dem Beschwerdeverfahren

Randnummer 5

hat der 20. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Köln

Randnummer 6

am 22.05.2023

Randnummer 7

durch den Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht E. als Einzelrichter

Randnummer 8

b e s c h l o s s e n :

Randnummer 9

Die Streitwertbeschwerde der Klägerin vom 31.03.2023 gegen die im Urteil des Landgerichts Köln vom 02.01.2023 – 26 O 120/22 – erfolgte Streitwertfestsetzung wird zurückgewiesen.

Randnummer 10

Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei; außergerichtliche Kosten werden nicht erstattet.

Randnummer 11

G r ü n d e :

Randnummer 12

Die durch die Prozessbevollmächtigten der Klägerin ausdrücklich in fremdem Namen – also für die Klägerin – eingelegte Streitwertbeschwerde ist zulässig, hat aber in der Sache keinen Erfolg. Das Landgericht hat den Streitwert zutreffend auf 37.725,02 EUR festgesetzt.

Randnummer 13

Handelt es sich – wie vorliegend – um eine Stufenklage, so ist für die Berechnung des Streitwertes gem. § 44 GKG allein der Wert des höchsten Einzelantrages maßgeblich. Dies ist grundsätzlich der noch unbezifferte Leistungsantrag. Schätzungsgrundlage ist dabei das Interesse, das der Kläger mit dem noch unbezifferten Leistungsantrag verknüpft, also seine Vorstellung zu Beginn des Rechtszugs, die primär anhand des in das Verfahren eingeführten Tatsachenvortrags des Klägers zu ermitteln ist.

Randnummer 14

Verlangt ein Versicherungsnehmer aufgrund eines Widerspruchs nach § 5 a VVG a.F. die bereicherungsrechtliche Rückabwicklung eines Versicherungsvertrages, ist bei der Streitwertfestsetzung auch ein in diesem Rahmen geltend gemachter Anspruch auf Herausgabe von Nutzungen zu berücksichtigen (BGH, Beschl. v. 19.12.2018 – IV ZB 10/18, juris). Dieser Rechtsprechung hat sich der Senat unter Aufgabe seiner früheren gegenteiligen Rechtsprechung angeschlossen.

Randnummer 15

Entgegen der Ansicht der Klägerin und anderslautender obergerichtlicher Rechtsprechung kann dem nicht entgegengehalten werden, dass die vorgenannte BGH-Entscheidung nicht den Gebührenstreitwert betreffe, für den § 43 GKG gelte und bei dessen Bemessung geltend gemachte Nutzungen unberücksichtigt bleiben müssten (so z.B. OLG Celle, Beschl. v. 04.03.2019 – 8 U 275/18, juris). Dagegen spricht bereits, dass der BGH den Gebührenstreitwert in der vorgenannten Entscheidung unter Einbeziehung der geltend gemachten Nutzungen festgesetzt hat. So verfährt der BGH – wie dem Senat aus einer Vielzahl von Verfahren bekannt ist – in ständiger Rechtsprechung (z.B. BGH, Urt. v. 24.06.2020 – IV ZR 275/20, juris: Der Streitwert für das Revisionsverfahren wurde dort auf 60.140,75 EUR festgesetzt. Dies entsprach der eingeklagten Forderung unter Einbeziehung der geltend gemachten Nutzungen, vgl. OLG Köln, Urt. v. 27.09.2019 – 20 U 137/18, juris-Rz.2).

Randnummer 16

In der Klageschrift hat die Klägerin ihren bereicherungsrechtlichen Rückabwicklungsanspruch unter Einbeziehung der Nutzungen auf 37.725,02 EUR geschätzt. Auf diesen Betrag hat das Landgericht den Gebührenstreitwert zutreffend festgesetzt.

Randnummer 17

Das Beschwerdeverfahren ist gebührenfrei (§ 68 Abs. 3 S. 1 GKG); Kosten werden nicht erstattet (§ 68 Abs. 3 S. 2 GKG). Damit ist die Festsetzung eines Gegenstandswertes für das Beschwerdeverfahren nicht veranlasst.

E.

Zitierte Vorschriften

Wortlaut aus der amtlichen Veröffentlichung des Gerichts. Leitsätze des Gerichts, keine Leitsätze oder Anmerkungen von Verlagen.

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