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Rechtsprechung · OLG Düsseldorf

OLG Düsseldorf, Beschluss vom 23.05.2022 – 3 WF 89/21

Spruchkörper
3. Senat für Familiensachen
ECLI
ECLI:DE:OLGD:2022:0523.3WF89.21.00

Tenor

Auf die Beschwerde des Antragstellers vom 02.09.2021 wird der Beschluss des Amtsgerichts – Familiengericht – Moers vom 16.08.2021 aufgehoben und die Sache an das Amtsgericht zur erneuten Entscheidung über das Verfahrenskostenhilfegesuch des Antragstellers mit der Maßgabe zurückverwiesen, dass unter Berücksichtigung der nachfolgenden Erwägungen die beantrage Verfahrenskostenhilfe nicht wegen fehlender Erfolgsaussichten der beabsichtigten Rechtsverfolgung zurückzuweisen ist. Die Entscheidung über die Kosten der sofortigen Beschwerde bleibt ebenfalls dem Amtsgericht vorbehalten.

Gründe

Randnummer 2

I)

Randnummer 3

Die Antragsgegnerin begehrt Verfahrenskostenhilfe für ihren Antrag, mit dem sie die Verpflichtung des Antragstellers zur Zahlung von Zugewinn aus der am 26.10.1990 geschlossenen Ehe begehrt. Der Scheidungsantrag ist am 28.08.2020 zugestellt worden. Nachdem die Antragsgegnerin zunächst im Wege des Stufenantrages einen Verfahrenskostenantrag für einen Auskunftsantrag gegen den Antragsteller gestellt und der Antragsteller daraufhin mit Schriftsatz vom 19.11.2020 Auskunft über sein Vermögen zu den güterrechtlich relevanten Stichtagen erteilt hatte, hat die Antragsgegnerin mit Schriftsatz vom 15.02.2021 einen Antrag auf Verpflichtung des Antragstellers zur Zahlung vom 111.014,69 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit gestellt und hierfür die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe beantragt.

Randnummer 4

Der Antragsteller ist dem anspruchsbegründenden Vorbringen der Antragsgegnerin entgegengetreten, hat insbesondere die Darstellung eines Zugewinnausgleichsanspruch als nicht schlüssig erachtet und vor diesem Hintergrund beantragt, der Antragsgegnerin Verfahrenskostenhilfe zu versagen.

Randnummer 5

Das Amtsgericht hat mit dem angefochtenen Beschluss den Verfahrenskostenhilfeantrag der Antragsgegnerin mit der Begründung abgewiesen, die beabsichtigte Rechtsverfolgung habe keine hinreichende Erfolgsaussicht. Es hat die Auffassung vertreten, weder dem Schriftsatz der Antragsgegnerin vom 15.02.2021 noch dem in Bezug genommenen Schriftsatz vom 04.02.2021 könne eine hinreichend substantiierte Darlegung einer Zugewinnausgleichsforderung nach § 1378 Abs. 1 BGB entnommen werden. Diese setze eine substantiierte Darlegung der einzelnen Positionen voraus, welche zur Berechnung des Vermögens der Ehegatten an den jeweiligen Stichtagen zu Grunde gelegt werden und aus denen sich dann der jeweilige Zugewinn und schließlich der Ausgleichsanspruch nach § 1378 Abs. 1 BGB ergibt.

Randnummer 6

Hiergegen richtet sich die sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin, mit der sie unter Wiederholung und Vertiefung ihres erstinstanzlichen Vorbringens eine ergänzte Zugewinnberechnung vornimmt und zu einzelnen Positionen aus dem eigenen Vermögensverzeichnis und demjenigen des Antragstellers zu den jeweiligen Stichtagen vorträgt.

Randnummer 7

Der Antragsteller verteidigt die angefochtene Entscheidung gegen die Angriffe der Antragsgegnerin und tritt deren ergänzenden Vorbringen entgegen. Das Amtsgericht hat der sofortigen Beschwerde nicht abgeholfen und die Sache dem Senat zur Entscheidung mit der Begründung vorgelegt, dass weiterhin ein Ausgleichsanspruch der Antragsgegnerin nicht substantiiert dargelegt sei.

Randnummer 8

II)

Randnummer 9

Die sofortige Beschwerde der Antragsgegnerin gegen die ablehnende Verfahrenskostenhilfeentscheidung ist gemäß §§ 76 Abs. 2 FamFG, 127 Abs. 2-4 ZPO statthaft, form- und fristgerecht eingelegt worden und damit insgesamt zulässig; in der Sache ist sie vorläufig insoweit begründet, als die angefochtene Entscheidung aufzuheben ist und das Verfahren an das Amtsgericht – Familiengericht – zurückzuverweisen ist, damit dieses unter Beachtung der nachfolgenden rechtlichen Ausführungen zu den Erfolgsaussichten der Rechtsverfolgung erneut über den Antrag des Antragstellers auf Gewährung von Verfahrenskostenhilfe entscheiden kann.

Randnummer 10

Die Gewährung von Verfahrenskostenhilfe setzt neben der Bedürftigkeit des Antragstellers voraus, dass die beabsichtigte Rechtsverfolgung hinreichende Erfolgsaussichten hat und darüber hinaus auch nicht mutwillig ist, vgl. § 74 Abs. 1 FamFG i.V.m. § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO. Das Amtsgericht hat die Verweigerung der begehrten Verfahrenskostenhilfe mit fehlender Erfolgsaussicht der von der Antragstellerin beabsichtigten Rechtsverfolgung begründet. Dies hält im Ergebnis einer rechtlichen Überprüfung nicht uneingeschränkt stand. Hinreichende Aussicht auf Erfolg besteht bereits dann, wenn das Gericht den Rechtsstandpunkt der Partei/Beteiligten, die um Prozess- bzw.Verfahrenskostenhilfe nachsucht, für vertretbar hält und von der Möglichkeit der Beweisführung überzeugt ist (vgl. BGH, Beschluss vom 14.12.1993 - VI ZR 235/92 - NJW 1994, 1160). Entscheidend ist, ob das in der Sache selbst verfolgte materiell-rechtliche Begehren Erfolg verspricht, so dass nicht allein auf den bloß vorläufigen Erfolg eines Rechtsmittels abgestellt werden darf (vgl. BGH, Beschluss vom 21.06.2017 - XII ZB 231/17 - BeckRS 2017, 119118; BeckOK ZPO/Reichling, Stand, 1.12.2021, § 114 Rn. 28).

Randnummer 11

In Hinblick auf den Zugewinnausgleichanspruch, für dessen Geltendmachung der Antragsteller Verfahrenskostenhilfe begehrt, können die nach diesen Maßstaben festzustellenden erforderlichen Erfolgsaussichten der Rechtsverfolgung nicht mit den Erwägungen des Amtsgerichts im angefochtenen Beschluss verneint werden. Vielmehr sind Erfolgsaussichten im Wege der summarischen Verfahrenskostenhilfeprüfung im nachfolgend dargelegten Umfang zu bejahen.

Randnummer 12

1)

Randnummer 13

Die rechtlichen Ausführungen des Amtsgerichts im angefochtenen Beschluss zu den tatbestandlichen Voraussetzungen des verfahrensgegenständlichen Zugewinnausgleichsanspruchs, zu den Substantiierungsanforderungen und die Verteilung der Darlegungs- und Beweislast sind nicht zu beanstanden. Die Darlegungs- und Beweislast für das beiderseits vorhandene Endvermögen liegt im Grundsatz bei dem, der den Ausgleichsanspruch geltend macht (OLG Hamm, Urteil vom 11. April 1996 – 4 UF 454/95 – FamRZ 1997, 87), und zwar auch bezüglich der Verbindlichkeiten (OLG Hamm, Urteil vom 13.06.1997 - 12 UF 223/95 - FamRZ 1998, 237). Die gerichtliche Durchsetzung des Ausgleichsanspruchs erfordert dabei schlüssige Angaben über die für die Berechnung des Zugewinnausgleichs maßgeblichen Umstände, insbesondere über das beidseitige Endvermögen, damit daraus der Zugewinnausgleich berechnet werden kann (vgl. BeckOK BGB/Scheller/Sprink, 61. Ed. 1.2.2022, BGB § 1378 Rn. 51).

Randnummer 14

Soweit es um ein positives Anfangsvermögen geht, trägt nach dem ungeschriebenen Grundprinzip der Beweislastverteilung jeder Ehegatte für den Bestand und den Wert seines Anfangsvermögens und für seinen privilegierten Erwerb gem. § 1374 Abs. 2 BGB die Darlegungs- und Beweislast. Dies folgt daraus, dass ein positives Anfangsvermögen den Zugewinn vermindert und daher für den jeweiligen Ehegatten eine ihm günstige Tatsache darstellt. Im Rahmen des privilegierten Anfangsvermögen trägt der Ehegatte auch die Darlegungs- und Beweislast, dass die Zuwendung nicht zu den Einkünften zu rechnen ist. Demgegenüber erhöht negatives Anfangsvermögen den Zugewinn eines Ehegatten und stellt daher für den jeweils anderen Ehegatten eine ihm günstige Tatsache dar. Dementsprechend trägt der jeweils andere Ehegatte für den Bestand und den Wert des negativen Anfangsvermögens und für einen negativen privilegierten Erwerb gemäß § 1374 Abs. 2 BGB die Darlegungs- und Beweislast. Schließlich muss nach den allgemeinen Darlegungs- und Beweislastgrundsätzen im Hinblick auf das Endvermögen der Ehegatte, der den Zugewinnausgleich begehrt, neben dem eigenen Endvermögen auch Bestand und Wert des Endvermögens des anderen Ehegatten darlegen und beweisen. Der Ausgleichsberechtigte muss dabei beim Endvermögen des anderen Ehegatten nicht nur das Vorhandensein der Aktiva, sondern auch das Fehlen von Passiva darlegen und beweisen. Die Darlegungs- und Beweislast des Klägers gilt auch für Negativtatsachen (vgl. Grandel/Stockmann, StichwortKommentar Familienrecht, Darlegungs- und Beweislast im Zugewinn Rn. 3, 5f m.w.N.).

2.

Randnummer 16

In Anwendung dieser Grundsätze ermöglicht der Sachvortrag der Antragsgegnerin unter Berücksichtigung und Auswertung deren zweitinstanzlichen Vorbringens einschließlich der Bezugnahmen auf die erstinstanzlichen Darstellungen im Rahmen der innerhalb des Verfahrenskostenhilfeverfahrens gebotenen summarischen Prüfung folgende Berechnung des jeweiligen Zugewinnausgleich der Ehegatten und des sich dann aus § 1378 BGB ergebenden hälftigen Ausgleichsanspruch.

a)

Randnummer 18

Stichtag Beginn Zugewinngemeinschaft: 26. 10. 1990

Randnummer 19

Stichtag Ende Zugewinngemeinschaft: 28. 08. 2020

Randnummer 20

A. Zugewinn von Antragsteller (§ 1373 BGB)

Randnummer 21

=============================================

Randnummer 22

I. Endvermögen (§ 1375 Abs.1 BGB)

Randnummer 23

---------------------------------

Randnummer 24

Aktiva

Randnummer 25

------

Randnummer 26

1. Immobilile B…….hof . . . . 475.000,00 Euro

Randnummer 27

2. Zweifamilienhaus K…..ck . . . . 297.000,00 Euro

Randnummer 28

3. BMW . . . . . . . . . . . . 6.000,00 Euro

Randnummer 29

4. Lebensversicherung . . ….. . .. 35.860,26 Euro

Randnummer 30

--------------

Randnummer 31

Aktiva . . . . . . . . . . … … . 813.860,26 Euro

Randnummer 32

Passiva

Randnummer 33

-------

Randnummer 34

5. Divers entsprechend SS vom 19.11.2020 53.870,81 Euro

Randnummer 35

--------------

Randnummer 36

Passiva . . . . . . . . . . . . . . . . .. .. . . . . 53.870,81 Euro

Randnummer 37

Saldo

Randnummer 38

-----

Randnummer 39

Aktiva . . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . .. . . . 813.860,26 Euro

Randnummer 40

Passiva . . . . . . . . . . . -53.870,81 Euro

Randnummer 41

--------------

Randnummer 42

Endvermögen von Antragsteller . . . 759.989,45 Euro

Randnummer 43

II. Anfangsvermögen (§ 1374 Abs.1 BGB)

Randnummer 44

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Randnummer 45

Aktiva

Randnummer 46

------

Randnummer 47

6. Schlafzimmer . . . . . . . . . . 3.067,75 Euro

Randnummer 48

7. Musikschrank . . . . . . . . . . 562,42 Euro

Randnummer 49

8. Wohnzimmerschrank . . . . . . . . 1.789,52 Euro

Randnummer 50

9. Küche . . . . . . . . . . . . 3.067,75 Euro

Randnummer 51

--------------

Randnummer 52

Aktiva . . . . . . . . . . . . . 8.487,44 Euro

Randnummer 53

Passiva

Randnummer 54

-------

Randnummer 55

Passiva . . . . . . . . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 56

Saldo

Randnummer 57

-----

Randnummer 58

Aktiva . . . . . . . . . . . . . 8.487,44 Euro

Randnummer 59

Passiva . . . . . . . . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 60

--------------

Randnummer 61

Anfangsvermögen von Antragsteller . . . 8.487,44 Euro

Randnummer 62

umgerechnet: * 106 / 63,663 Basis 2015 14.131,73 Euro

Randnummer 63

Zurechnung zum Anfangsvermögen (§ 1374 Abs.2 BGB)

Randnummer 64

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Randnummer 65

10. Schenkung B…hof

Randnummer 66

Datum der Zurechnung 01. 03. 2006

Randnummer 67

62.801,50 Euro

Randnummer 68

umgerechnet: * 106 / 87,2 Basis 2015

Randnummer 69

76.341,27 Euro

Randnummer 70

11. Weitere Schenkungen der Eltern des Antragstellers i.Z.m.

Randnummer 71

Grundstück B…hof

Randnummer 72

Datum der Zurechnung 01. 03. 2006

Randnummer 73

3.128,11 Euro

Randnummer 74

umgerechnet: * 106 / 87,2 Basis 2015

Randnummer 75

3.802,52 Euro

Randnummer 76

12. Schenkung der Eltern des Antragstellers durch Zuzahlung

Randnummer 77

zur Rechnung vom 30.03.2007

Randnummer 78

Datum der Zurechnung 30. 03. 2007

Randnummer 79

463,38 Euro

Randnummer 80

umgerechnet: * 106 / 88,9 Basis 2015

Randnummer 81

552,51 Euro

Randnummer 82

13. Schenkung Vorwerk Staubsauger

Randnummer 83

Datum der Zurechnung 01. 01. 2015

Randnummer 84

300,00 Euro

Randnummer 85

umgerechnet: * 106 / 98,5 Basis 2015

Randnummer 86

322,84 Euro

Randnummer 87

14. Schenkung Rasenmäher

Randnummer 88

Datum der Zurechnung 01. 01. 2013

Randnummer 89

135,00 Euro

Randnummer 90

umgerechnet: * 106 / 97,4 Basis 2015

Randnummer 91

146,92 Euro

Randnummer 92

15. Schenkung Gerichtskosten

Randnummer 93

Datum der Zurechnung 01. 05. 2006

Randnummer 94

405,00 Euro

Randnummer 95

umgerechnet: * 106 / 87,5 Basis 2015

Randnummer 96

490,63 Euro

Randnummer 97

16. Schenkung im Zusammenhang mit dem Erwerb der Immobilie

Randnummer 98

An der K….

Randnummer 99

Datum der Zurechnung 04. 11. 1993

Randnummer 100

184.065,08 Euro

Randnummer 101

umgerechnet: * 106 / 72,3 Basis 2015

Randnummer 102

269.860,28 Euro

Randnummer 103

17. Schenkung der Immobilie K…ck

Randnummer 104

Datum der Zurechnung 21. 02. 2013

Randnummer 105

280.000,00 Euro

Randnummer 106

umgerechnet: * 106 / 98 Basis 2015

Randnummer 107

302.857,14 Euro

Randnummer 108

18. Schenkung Gobelin

Randnummer 109

Datum der Zurechnung 01. 01. 1996

Randnummer 110

191,74 Euro

Randnummer 111

umgerechnet: * 106 / 75,5 Basis 2015

Randnummer 112

269,20 Euro

Randnummer 113

--------------

Randnummer 114

668.775,05 Euro

Randnummer 115

III. Zusammenfassung:

Randnummer 116

---------------------

Randnummer 117

Endvermögen von Antragsteller: . . . 759.989,45 Euro

Randnummer 118

abz. Anfangsvermögen von Antragsteller: -668.775,05 Euro

Randnummer 119

--------------

Randnummer 120

Zugewinn: . . . . . . . . . . . 91.214,40 Euro

Randnummer 121

B Zugewinn von Antragsgegner/in (§ 1373 BGB)

Randnummer 122

=============================================

Randnummer 123

I. Endvermögen (§ 1375 Abs.1 BGB)

Randnummer 124

---------------------------------

Randnummer 125

Aktiva

Randnummer 126

------

Randnummer 127

19. PKW Toyota RAV . . . . . . . . . 1.500,00 Euro

Randnummer 128

20. Girokonto . . . . . . . . . . 207,18 Euro

Randnummer 129

21. Depot . . . . . . . . . . . . 555,57 Euro

Randnummer 130

--------------

Randnummer 131

Aktiva . . . . . . . . . . . . . 2.262,75 Euro

Randnummer 132

Passiva

Randnummer 133

-------

Randnummer 134

Passiva . . . . . . . . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 135

Saldo

Randnummer 136

-----

Randnummer 137

Aktiva . . . . . . . . . . . . . 2.262,75 Euro

Randnummer 138

Passiva . . . . . . . . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 139

--------------

Randnummer 140

Endvermögen von Antragsgegner/in . . . . 2.262,75 Euro

Randnummer 141

II. Anfangsvermögen (§ 1374 Abs.1 BGB)

Randnummer 142

--------------------------------------

Randnummer 143

Aktiva

Randnummer 144

------

Randnummer 145

22. Bar 5000 DM . . . . . . . . . . 2.556,00 Euro

Randnummer 146

23. Girokonto 1500 DM . . . . . . . . 766,94 Euro

Randnummer 147

--------------

Randnummer 148

Aktiva . . . . . . . . . . . . . 3.322,94 Euro

Randnummer 149

Passiva

Randnummer 150

-------

Randnummer 151

Passiva . . . . . . . . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 152

Saldo

Randnummer 153

-----

Randnummer 154

Aktiva . . . . . . . . . . . . . 3.322,94 Euro

Randnummer 155

Passiva . . . . . . . . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 156

--------------

Randnummer 157

Anfangsvermögen von Antragsgegner/in . . . 3.322,94 Euro

Randnummer 158

umgerechnet: * 106 / 63,663 Basis 2015 5.532,75 Euro

Randnummer 159

III. Zusammenfassung:

Randnummer 160

---------------------

Randnummer 161

Endvermögen von Antragsgegner/in: . . . . 2.262,75 Euro

Randnummer 162

abz. Anfangsvermögen von Antragsgegner/in: -5.532,75 Euro

Randnummer 163

--------------

Randnummer 164

Zugewinn: . . . . . . . . . . . -3.270,00 Euro

Randnummer 165

Es wurde kein Zugewinn erzielt.

Randnummer 166

C. Ausgleichsanspruch (§ 1378 BGB)

Randnummer 167

==================================

Randnummer 168

Zugewinn von Antragsteller . . . . 91.214,40 Euro

Randnummer 169

Zugewinn von Antragsgegnerin . . . . . . 0,00 Euro

Randnummer 170

--------------

Randnummer 171

Differenz . . . . . . . . . . . 91.214,40 Euro

Randnummer 172

Ausgleichsanspruch von Antragsgegnerin 45.607,20 Euro

b)

Randnummer 174

Hinsichtlich der nachfolgend näher behandelten Positionen sind folgenden Erläuterungen angezeigt.

aa)

Randnummer 176

Soweit die Antragsgegnerin zu der beim Endvermögen des Antragstellers einzustellenden Immobile „B…hof“ einen Wert von 475.000,-- € behauptet und der Antragsteller dem einen Immobilienwert von 380.000,-- € entgegenhält, hat die Antragsgegner Beweis durch Einholung eines Sachverständigengutachtens angeboten. Zu vermerken ist an dieser Stelle, dass ein von dem Antragsteller mit Schriftsatz vom 19.11.2020, dort Seite 6 (vgl. GÜ Bl. 18) in Bezug genommenes Gutachten vom 22.09.2020 nicht zu den Gerichtsakten gelangt ist.

bb)

Randnummer 178

Beide Beteiligte haben im Hinblick auf die Immobilie Zweifamilienhaus K…ck übereinstimmend einen Wert zum Endstichtag von 297.000,-- € vorgetragen. Dieser Wert ist mithin bei der Ermittlung des Endvermögens des Antragstellers zugrunde zu legen. Ein Wertabzug vor dem Hintergrund der auf dieser Immobilie liegenden Nießbrauchsrechte (wie sie die Antragsgegnerin vorgenommen hat) findet nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung nicht statt (hierzu näher unter ff)

cc)

Randnummer 180

Bei der Ermittlung des Anfangsvermögens des Antragstellers sind bei den oben unter 6 – 9 aufgeführten Positionen, die von dem Antragsteller für die einzelnen Gegenstände angegebenen Wert zur Hälfte in Ansatz zu bringen; dies vor dem Hintergrund der in dieser Höhe seitens der Antragsgegnerin erklärten „Anerkenntnisse“ (siehe Bl. 97 GÜ). Konkreter und unter Beweis gestellter Sachvortrag des insoweit darlegungs- und beweisbelasteten Antragstellers dazu, dass die jeweiligen Vermögensgegenstände in seinem alleinigen Eigentum gestanden, von ihm (allein und nicht mit der Antragsgegnerin gemeinsam) vor dem maßgeblichen Zeitpunkt erworben worden sind, ist nicht ersichtlich.

dd)

Randnummer 182

Die von dem in diesem Kontext darlegungs- und beweisbelasteten Antragsteller behaupteten Barschenkungen über 5.000,-- € und über 8.000,-- € (vgl. GÜ Bl. 14) bleiben wegen des diesbezüglichen Bestreitens der Antragsgegnerin bei der Prüfung der Erfolgsaussichten deren Begehrens unberücksichtigt.

ee)

Randnummer 184

Die von dem Antragsteller als privilegierte Zuwendung angeführten Schenkungen der Eltern für den Staubsauger Vorwerk in Höhe von 600 € und für den Rasenmäher mit 270,-- € (GÜ Bl. 15) sind mit Blick auf das Vorbringen der Antragsgegnerin, die genannten Schenkungen seien an die beiden Eheleute gerichtet gewesen, nur in hälftiger Höhe einzubeziehen.

ff)

Randnummer 186

Der Antragsteller hat als privilegiertes Vermögen den Wert der durch den Notarvertrag vom 21.02.2013 (GÜ Bl. 16) ihm seitens seiner Eltern erbrachten Schenkung der Immobilie K…ck mit einem Immobilienwert vom 280.000,-- € in Ansatz gebracht. Dieser Betrag ist auch in die Vermögensbilanz des Antragstellers einzustellen. Soweit die Antragsgegnerin lediglich einen Betrag von 230.000,-- € in ihrer Zugewinnausgleichsermittlung herangezogen hat, und hierbei zur Rechtfertigung dieses Abzugs von 50.000,-- € auf das den Eltern in dem Notarvertrag vom 21.02.2013 eingeräumte Nießbrauchsrecht abgestellt hat, dringt sie hiermit nicht durch.

(1)

Randnummer 188

Auszugehen ist von dem Umstand, dass der Wert eines einem Ehegatten übertragenen Grundstücks und damit auch das Endvermögen des ausgleichspflichtigen Ehegatten dadurch steigt, dass die Wohnrecht- oder Nießbrauchbelastung infolge der abnehmenden Lebenserwartung des Berechtigten absinkt. Diese Wertsteigerungen unterliegen nach höchstrichterlicher Rechtsprechung generell nicht dem Zugewinnausgleich, was damit begründet wird, dass diese Wertsteigerung im Grundsatz noch auf der Zuwendung beruhen, zumal das entsprechende Vertragsobjekt mit der sicheren Aussicht erworben wurde, dass diese Rechte spätestens mit dem Tod des Berechtigten erlöschen; es sei deshalb nicht gerechtfertigt, den anderen Ehegatten an den sich so ergebenden Vermögenszuwächsen über den Zugewinnausgleich zu beteiligen; auch sei in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen, dass der Erwerber hierfür keine Gegenleistung erbringe, die sein sonstiges nicht privilegiertes Vermögen und damit seinen Zugewinn mindern (vgl. Scheller/Sprink, Beck OK BGB, Stand Februar 2022, Rz. 24 zu § 1374; Schulz, FF 2018, 99 unter Verweis auf die grundlegende BGH-Rechtsprechung aus dem Jahr 1990 in den Urteilen vom 14.03.1990 – XII ZR 62/89, FamRZ 1990, 603 ff.; vom 30.5.1990 – XII ZR 75/89, FamRZ 1990, 1217 ff. und vom 27.06.1990 – XII ZR 95/89 - FamRZ 1990, 1083 ff). In Konsequenz dieses rechtlichen Ansatzes hat der Bundesgerichtshof in seiner bis 2006 geltenden Rechtsprechung den Vermögenszuwachs, der im Endvermögen durch den Wertanstieg des Grundstücks eintritt, als privilegierten Erwerb gemäß § 1374 Abs. 2 BGB dem Anfangsvermögen zugerechnet und zwar rechnerisch in der Art, dass die Belastung durch ein Wohnrecht oder einen Nießbrauch im Anfangs- und Endvermögen ganz unberücksichtigt zu bleiben hatte. Nachdem er in seiner Entscheidung vom 22.11.2006 - XII ZR 8/05 - FamRZ 2007, 978 (zwischenzeitlich) diesen Standpunkt aufgegeben und entschieden hatte, dass die Grundstücksbelastung im Anfangs- und Endvermögen nicht mehr unberücksichtigt bleiben könne, sondern jeweils der aktuelle Wert ermittelt werden müsse und zusätzlich noch der fortlaufende Wertzuwachs der Zuwendung aufgrund des abnehmenden Wertes des Wohnrechts ermittelt und bewertet werden müsse, um den „gleitenden Erwerbsvorgang zu erfassen und vom Ausgleich ausnehmen zu können“, hat der Bundesgerichtshof mit Beschluss vom 22.6.2015 eine Kehrtwendung vollzogen und sich von der Rechtsfigur des „zusätzlich gleitenden Vermögenserwerb“ wieder verabschiedet (vgl. Schulz, a.a.O.). Er ist nunmehr (wieder) zu dem Ergebnis gelangt, dass eine zutreffende Erfassung des fortlaufenden Wertzuwachses eines Grundstücks auch dann gewährleistet ist, wenn die Grundstücksbelastung mit einem Nießbrauch bei der Ermittlung des Zugewinns des Zuwendungsempfängers außer Betracht bleibt, also weder im Anfangs- noch im Endvermögen bilanziert wird (vgl. Budzikiewicz in: Er-man, BGB, 16. Aufl. 2020, § 1374 BGB, Rz. 17; kritisch Kugel in Zugewinnausgleich, 6. Aufl. 2019, Rn. 1061ff).

Randnummer 189

Indessen hat der BGH in dem Beschluss vom 6.5.2015 von diesem als Regelfall geltenden Ansatz des Verzichts des Einstellens des Werts des Nießbrauchs zum Ausgangs- und Endzeitpunkt in die Vermögensbilanz einen Ausnahmefall postuliert (Rz. 25): „Anders ist allerdings der Fall zu beurteilen, wenn sich im maßgeblichen Zeitraum der Wert des Nießbrauchs nicht wegen des Absinkens der Lebenserwartung des Nießbrauchsberechtigten vermindert hat, sondern aufgrund anderer Umstände, etwa der Wertentwicklung des Grundstücks während der Ehezeit, gestiegen ist. In diesem Fall muss der jeweilige Wert des Nießbrauchs sowohl im Anfangs- als auch im Endvermögen des Zuwendungsempfängers berücksichtigt werden, weil anderenfalls dessen Zugewinn zu hoch ausfiele. Der höhere Wert des Nießbrauchs ergibt sich in solchen Fällen aus der erheblichen Steigerung des Grundstückswerts und ist nicht Folge der Schenkung. Die Steigerung des Nießbrauchswerts begrenzt dann lediglich die in den Zugewinnausgleich einzubeziehenden erhebliche Wertsteigerung des Grundstücks.“ (vgl. hierzu Scheller/Sprink, a.a.O. Rz. 27; Kogel, a.a.O., Rz. 1066).

(2)

Randnummer 191

In Anwendung dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung verbleibt es bei der für den Regelfall geltenden Nichtberücksichtigung des Nießbrauchsrechts, da nicht ansatzweise im Sachvortrag der Antragsgegnerin konkrete Anhaltspunkte für ein Eingreifen des vom Bundesgerichtshof näher definierten Ausnahmefalls erkennbar sind.

gg)

Randnummer 193

Soweit der Antragsteller als privilegiertes Erwerb die Schenkung einer Deckenlampe für das Schlafzimmer seitens seiner Eltern vorträgt, bleibt dieses Vorbringen unberücksichtigt, da es wegen fehlender zeitlicher Einordung des „schenkungsweise“ erfolgten Erwerbsvorgangs als unsubstantiiert bewertet werden muss.

hh)

Randnummer 195

Soweit die Antragsgegnerin bei ihrem Endvermögen als Passivposten zwei Darlehensverbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 27.156,32 € eingestellt hat (und zwar die hälftige Verbindlichkeit aus der Darlehensverbindlichkeit der Beteiligten gegenüber der Stadtsparkasse Rhein-Maas in Höhe von 49.257,30 € und gegenüber der Stadtsparkasse Kleve in Höhe von 4.439,16 €, sind diese Verbindlichkeiten in der obigen Rechnung unberücksichtigt geblieben. Der Antragsteller hat insoweit vorgetragen, dass bezüglich dieser gemeinsamen Verbindlichkeiten die Antragsgegnerin intern freigestellt worden ist und demensprechend seit der Trennung Zahlungen auch nur von ihm erbracht worden sind.

ii)

Randnummer 197

Beim Anfangsvermögen der Antragsgegnerin sind lediglich die von ihr behaupteten und unter Zeugenbeweis gestellten 5.000,-- DM = 2.556,46 € Barvermögen und 1.500,-- DM = 766,94 € Girokonto in Ansatz zu bringen. Das Vorbringen der Antragsgegnerin zu einem Esszimmer und Haushaltsgegenständen erweist sich – wie von dem Antragsteller zutreffend gerügt – als unsubstantiiert und nicht einlassungsfähig.

4.

Randnummer 199

Der Senat hat davon abgesehen, in der Sache selbst zu entscheiden, da das Amtsgericht – insoweit in konsequenter Umsetzung seiner Auffassung von der fehlenden hinreichenden Erfolgsaussicht der beabsichtigten Rechtsverfolgung – die Bedürftigkeit der Antragsgegnerin offen gelassen hat und die ggfls notwendige Aufklärung unterlassen hat. Die bei den Akten befindliche Erklärung der Antragsgegnerin zu ihren wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnissen ist nicht mehr hinreichend aktuell, um auf ihr gesichert die Annahme der (weiter bestehenden) Bedürftigkeit der Antragsgegnerin zu stützen.

Randnummer 200

Die Rechtsbeschwerde ist nicht zuzulassen, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und auch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts nicht erfordert (§ 70 Abs. 2 FamFG).

Zitierte Vorschriften

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