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Rechtsprechung · Bundespatentgericht

BPatG, Beschluss vom 22.05.2019 – 9 W (pat) 17/18

Patenteinspruchsbeschwerdeverfahren - "Laderaumabdeckung für ein Kraftfahrzeug" - zur Frage der Patentfähigkeit
Spruchkörper
9. Senat
ECLI
ECLI:DE:BPatG:2019:220519B9Wpat17.18.0
Normenkette
§ 4 PatG

Tenor

In der Beschwerdesache

betreffend das Patent 10 2013 012 088

…

hat der 9. Senat (Technischer Beschwerdesenat) des Bundespatentgerichts auf die mündliche Verhandlung vom 22. Mai 2019 unter Mitwirkung des Vorsitzenden Richters Dipl.-Ing. Univ. Hubert sowie der Richter Paetzold, Dipl.-Phys. Univ. Dr.-lng. Geier und Dipl.-Ing. Körtge

beschlossen:

Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

Randnummer 1

Die Patentabteilung 21 des Deutschen Patent- und Markenamts hat nach Prüfung des von der B… GmbH & Co. KG mit Schriftsatz vom 6. März 2015 erhobenen und am gleichen Tag eingegangenen Einspruchs das am 22. Juli 2013 beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldete Patent 10 2013 012 088, dessen Erteilung am 18. Juni 2014 veröffentlicht worden ist, mit der Bezeichnung

Randnummer 2

„Laderaumabdeckung für ein Kraftfahrzeug“,

Randnummer 3

durch einen am Ende der Anhörung vom 16. November 2017 verkündeten Beschluss widerrufen.

Randnummer 4

Mit Schriftsatz vom 6. Dezember 2017 hat die Patentinhaberin Beschwerde beim Deutschen Patent- und Markenamt eingelegt, die am gleichen Tag eingegangen ist, und mit Schriftsatz vom 4. Juni 2018 eine Beschwerdebegründung nachgereicht, in der sie die Aufrechterhaltung in beschränktem Umfang mit einem als Hauptantrag bezeichneten Anspruchssatz sowie hilfsweise mit zwei weiteren Anspruchssätzen gemäß den Hilfsanträgen 1 und 2 beantragt hat.

Randnummer 5

Sie ist insbesondere der Auffassung, dass die in dem geltenden Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag beanspruchte Laderaumabdeckung für ein Kraftfahrzeug gegenüber dem druckschriftlich belegten Stand der Technik neu sei wie auch auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhe.

Randnummer 6

In der mündlichen Verhandlung vom 22. Mai 2019 stellte die Patentinhaberin und Beschwerdeführerin den Antrag,

Randnummer 7

den Beschluss der Patentabteilung 21 des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) vom 16. November 2017 aufzuheben und das Patent mit den Ansprüchen 1 bis 5 gemäß Hauptantrag

Randnummer 8

hilfsweise, das Patent mit den Ansprüchen 1 bis 4 gemäß Hilfsantrag 1,

Randnummer 9

weiter hilfsweise, das Patent mit den Ansprüchen 1 bis 3 gemäß Hilfsantrag 2,

Randnummer 10

jeweils vom 4. Juni 2018,

Randnummer 11

übrige Unterlagen jeweils wie erteilt,

Randnummer 12

beschränkt aufrechtzuerhalten.

Randnummer 13

Die Einsprechende und Beschwerdegegnerin stellte den Antrag,

Randnummer 14

die Beschwerde zurückzuweisen.

Randnummer 15

Sie ist insbesondere der Auffassung, dass die in dem jeweils geltenden Patentanspruch 1 nach Hauptantrag oder nach einem der beiden Hilfsanträge beanspruchte Vorrichtung ausgehend von der

Randnummer 16

D1 EP 0 861 755 B1

Randnummer 17

in Verbindung mit Fachwissen zumindest nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhe.

Randnummer 18

Weiterhin im Verfahren befinden sich die

Randnummer 19

D2 DE 102 18 838 C1,

Randnummer 20

D3 EP 1 595 746 A1,

Randnummer 21

D4 DE 202 17 717 U1 (von der Patentinhaberin bereits ursprünglich genannt) und

Randnummer 22

D5 DE 197 07 676 C1 (Prioritätsschrift zur D1, von der Patentinhaberin im Einspruchsverfahren genannt).

Randnummer 23

Der Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag (Änderungen gegenüber Patentanspruch 1 in erteilter Fassung sind durch Unterstreichungen kenntlich gemacht) lautet:

Randnummer 24

Laderaumabdeckung (10) für ein Kraftfahrzeug (11), deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und deren zweite freie Längskante (18) laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist, mit einer in der Laderaumabdeckung (10) angeordneten Durchgriffsöffnung (21), die einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden und einen laderaumzugangsfernen Rand aufweist, und mit einem Abdeckelement (25) für die Durchgriffsöffnung (21), welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung (21) verschließenden Stellung gehalten ist und beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung (21) durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt, und lediglich ein die Durchgriffsöffnung (21) in Ruhelage verschließendes Abdeckelement (25) vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwenkachse (26) des lediglich einen Abdeckelements (25) an dem laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung (21) angeordnet ist.

Randnummer 25

Hieran schließen sich rückbezogen die Patentansprüche 2 bis 5 gemäß Hauptantrag an.

Randnummer 26

Der Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 (Änderungen gegenüber Patentanspruch 1 nach Hauptantrag sind durch Durch- und Unterstreichungen kenntlich gemacht) lautet:

Randnummer 27

Laderaumabdeckung (10) für ein Kraftfahrzeug (11), deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und deren zweite freie Längskante (18) laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist, mit einer in der Laderaumabdeckung (10) angeordneten Durchgriffsöffnung (21), die einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden und einen laderaumzugangsfernen Rand aufweist, und mit einem Abdeckelement (25) für die Durchgriffsöffnung (21), welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung (21) verschließenden Stellung gehalten ist und beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung (21) durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt, und wobei

Randnummer 28

- lediglich ein die Durchgriffsöffnung (21) in Ruhelage verschließendes Abdeckelement (25) vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass

Randnummer 29

- die Schwenkachse (26) des lediglich einen Abdeckelements (25) an dem laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung (21) angeordnet ist,

Randnummer 30

- das Abdeckelement (25) in Offenstellung an der Laderaumabdeckung (10) unterseitig anliegt.

Randnummer 31

Hieran schließen sich die Patentansprüche 2 bis 4 gemäß Hilfsantrag 1 an.

Randnummer 32

Der Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 2 (Änderungen gegenüber Patentanspruch 1 nach Hilfsantrag 1 sind durch Durch- und Unterstreichungen kenntlich gemacht) lautet:

Randnummer 33

Laderaumabdeckung (10) für ein Kraftfahrzeug (11), deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und deren zweite freie Längskante (18) laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist, mit einer in der Laderaumabdeckung (10) angeordneten Durchgriffsöffnung (21), die einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden und einen laderaumzugangsfernen Rand aufweist, und mit einem Abdeckelement (25) für die Durchgriffsöffnung (21), welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung (21) verschließenden Stellung gehalten ist und beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung (21) durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt, wobei

Randnummer 34

- lediglich ein die Durchgriffsöffnung (21) in Ruhelage verschließendes Abdeckelement (25) vorgesehen ist,

Randnummer 35

- die Schwenkachse (26) des lediglich einen Abdeckelements (25) an dem laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung (21) angeordnet ist,

Randnummer 36

- das Abdeckelement (25) in Offenstellung an der Laderaumabdeckung (10) unterseitig anliegt,

Randnummer 37

- der Rand der Durchgriffsöffnung (21) gemeinsam mit dem in Offenstellung verschwenkten Abdeckelement (25) einen Handgriff ausbildet,

Randnummer 38

- der Handgriff gegenüber der Materialstärke der Randeinfassung der Durchgriffsöffnung (21) und der Materialstärke der Laderaumabdeckung selbst größer gestaltet ist.

Randnummer 39

Hieran schließen sich die Patentansprüche 2 und 3 gemäß Hilfsantrag 2 an.

Randnummer 40

Wegen des Wortlauts der Unteransprüche sowie zu weiteren Einzelheiten wird auf den Akteninhalt verwiesen.

II.

Randnummer 41

Die statthafte Beschwerde ist frist- und formgerecht eingelegt worden und auch im Übrigen zulässig (§ 73 Abs. 1 und 2 Satz 1 PatG, § 6 Satz 1 PatKostG).

Randnummer 42

In der Sache hat die Beschwerde jedoch keinen Erfolg.

Randnummer 43

1. Gegenstand des Streitpatents

Randnummer 44

Der Gegenstand des Streitpatents betrifft eine Laderaumabdeckung für ein Kraftfahrzeug, deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und deren zweite freie Längskante laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist, mit einer Durchgriffsöffnung in der Laderaumabdeckung und einem Abdeckelement für die Durchgriffsöffnung, welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung verschließenden Stellung gehalten ist und beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt (vgl. Abs. [0001] der Streitpatentschrift, im Folgenden mit SPS bezeichnet).

Randnummer 45

Laderaumabdeckungen seien bereits aus dem Stand der Technik bekannt. So beschreibe z. B. die Druckschrift D1 eine solche, die mit einer ersten Längskante auf einer Wickelwelle befestigt sei, auf der die Laderaumabdeckung bei Nichtbenutzung aufgewickelt sei. Diese Wickelwelle sei üblicherweise in einem Wickelwellengehäuse gelagert, welches an der Rücksitzbank eines Kombinationskraftfahrzeuges befestigt sei. Um den Laderaum gegen Einblicke zu schützen und das Ladegut zu verbergen, könne man die Laderaumabdeckung von der Wickelwelle abziehen. Dabei trage die der Wickelwelle gegenüberliegende zweite und freie Längskante in der Regel Befestigungsmittel, mit denen sich die Laderaumabdeckung nahe des Laderaumzugangs – in der Regel nahe der Kofferraumklappe – karosserieseitig verankern lasse. Darüber hinaus trage die freie Längskante der Laderaumabdeckung in der Regel noch ein Konturteil, welches den Spalt abdecke, der in der Regel zwischen der freien Längskante und der Kofferraumklappe bestehe. Um den Ausziehvorgang zu erleichtern, sei die Laderaumabdeckung in der Regel mit einer Durchgriffsöffnung versehen, die auch im Konturteil angeordnet sein könne. Bei wertigeren Abdeckungen sei diese Durchgriffsöffnung von einem Rahmen eingefasst, der in aller Regel aus Kunststoff gebildet sei. Um einen Einblick auf das Ladegut durch die Durchgriffsöffnung hindurch zu verhindern und darüber hinaus eine optisch einheitliche Oberfläche zu schaffen, sei die Durchgriffsöffnung häufig von einem Abdeckelement verschlossen. Dies sei in der Regel vermittels einer Schwenkachse beweglich am Rahmen der Durchgriffsöffnung angeordnet, so dass eine in die Durchgriffsöffnung eingreifende Hand das Abdeckelement aus seiner Schließstellung bzw. Ruhelage in eine Offenstellung verbringe. Diese Schwenkbewegung werde gegen die Federkraft eines Federelementes ausgeführt, wobei die hierbei aufgebrachte Federspannung das Abdeckelement zurück in seine Schließstellung bewege, sobald die Hand aus der Durchgriffsöffnung herausgenommen werde. In der Regel liege das Abdeckelement der Durchgriffsöffnung – bedingt durch die rückstellende Federspannung - an der Hand des Benutzers an, so dass beim Entnehmen der Hand aus der Durchgriffsöffnung ein Einklemmen vorkommen könne, welches die Handhabung unkomfortabel mache. (vgl. Abs. [0002] bis [0005] der SPS).

Randnummer 46

Dem angegriffenen Patent liegt die Abs. [0007] der SPS entnehmbare Aufgabe zugrunde, die Handhabung einer Laderaumabdeckung, deren Durchgriffsöffnung mit einem Abdeckelement verschließbar ist, zu verbessern.

Randnummer 47

Die Aufgabe der Erfindung werde erfindungsgemäß durch die eingangs erwähnte Laderaumabdeckung gelöst, bei der die Schwenkachse des Abdeckelementes an einem laderaumzugangsnahen Rand der Durchgriffsöffnung angeordnet ist (vgl. Abs. [0008] der SPS).

Randnummer 48

Bei dieser erfindungsgemäßen Laderaumabdeckung führe die Abdeckung eine der Greifbewegung im Wesentlichen richtungsgleiche Schwenkbewegung durch. Beim Loslassen und Entnehmen der Hand aus der Durchgriffsöffnung entspreche die Schließbewegung des Abdeckelementes demzufolge der Öffnungsbewegung der Hand. Somit definiere die Hand selbst das Maß der Schließbewegung. Man könne in Folge dessen davon sprechen, dass die Öffnungsbewegung der Hand und die Schließbewegung der Abdeckklappe im Einklang miteinander erfolgten (vgl. Abs. [0009] der SPS).

Randnummer 49

2. Fachmann

Randnummer 50

Als den mit der Lösung dieser Aufgabe beauftragten Durchschnittsfachmann legt der Senat zum Verständnis des Streitgegenstandes und zur nachfolgenden Bewertung des Standes der Technik einen Diplom-Ingenieur der Fachrichtung Maschinenbau oder Fahrzeugtechnik mit mehreren Jahren Berufserfahrung auf dem Gebiet der Entwicklung und Konstruktion von Schutzvorrichtungen für den Fahrzeuginnenraum, insbesondere Laderaumabdeckungen, zugrunde.

Randnummer 51

3. Hauptantrag

Randnummer 52

Der Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag ist zulässig, denn dessen Gegenstand ist in den Anmeldeunterlagen offenbart und gegenüber dem Gegenstand des Patentanspruchs 1 in der erteilten Fassung beschränkt. Er ist auch für den Fachmann ausführbar.

Randnummer 53

Allerdings beruht er gegenüber dem Gegenstand der Druckschrift D1 unter Heranziehung von Fachwissen, beispielhaft belegt durch die Druckschrift D3, nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit. Er ist daher nicht patentfähig.

Randnummer 54

3.1 Auslegung

Randnummer 55

Die Prüfung der Patentfähigkeit erfordert regelmäßig eine Auslegung des Patentanspruchs, bei der dessen Sinngehalt in seiner Gesamtheit und der Beitrag, den die einzelnen Merkmale zum Leistungsergebnis der Erfindung liefern, zu bestimmen sind (BGH GRUR 2012, 1124 – Polymerschaum). Dies gilt auch für das Einspruchs- und Einspruchsbeschwerdeverfahren. Dazu ist zu ermitteln, was sich aus der Sicht des angesprochenen Fachmanns aus den Merkmalen des Patentanspruchs im Einzelnen und in ihrer Gesamtheit als unter Schutz gestellte technische Lehre ergibt, wobei der Fachmann auch die Beschreibung und Zeichnung heranzuziehen hat (BGH GRUR 2007, 859 – Informationsübermittlungsverfahren). Dies darf allerdings weder zu einer inhaltlichen Erweiterung noch zu einer sachlichen Einengung des durch den Wortlaut des Patentanspruchs festgelegten Gegenstands führen (BGH GRUR 2004, 1023 – Bodenseitige Vereinzelungseinrichtung). Begriffe in den Patentansprüchen sind deshalb so zu deuten, wie sie der angesprochene Fachmann nach dem Gesamtinhalt der Patentschrift und Berücksichtigung der in ihr objektiv offenbarten Lösung bei unbefangener Erfassung der im Anspruch umschriebenen Lehre zum technischen Handeln versteht. Darüber hinaus darf allein aus Ausführungsbeispielen nicht auf ein engeres Verständnis des Patentanspruchs geschlossen werden (BGH GRUR 2008, 779 – Mehrgangnabe).

Randnummer 56

Zur Erleichterung von Bezugnahmen sind die Merkmale des Patentanspruchs 1 nach Hauptantrag, dessen Gegenstand die vorstehend genannte Aufgabe lösen soll, nachstehend in Form einer strukturierten Merkmalsgliederung wiedergegeben:

Randnummer 57

1. Laderaumabdeckung (10) für ein Kraftfahrzeug (11),

Randnummer 58

2. deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und

Randnummer 59

3. deren zweite freie Längskante (18) laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist,

Randnummer 60

4. mit einer in der Laderaumabdeckung (10) angeordneten Durchgriffsöffnung (21),

Randnummer 61

5. die einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden und einen laderaumzugangsfernen Rand aufweist, und

Randnummer 62

6. mit einem Abdeckelement (25) für die Durchgriffsöffnung (21),

Randnummer 63

6.1 wobei lediglich ein die Durchgriffsöffnung (21) in Ruhelage verschließendes Abdeckelement (25) vorgesehen ist,

Randnummer 64

7. welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung (21) verschließenden Stellung gehalten ist und

Randnummer 65

8. beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung (21) durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei

Randnummer 66

9. die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt, wobei

Randnummer 67

10. die Schwenkachse (26) des lediglich einen Abdeckelements (25) an dem laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung (21) angeordnet ist.

Randnummer 68

Der vorstehend definierte Fachmann entnimmt daher Patentanspruch 1 nach Hauptantrag eine Laderaumabdeckung 10, die für die Verwendung in einem Kraftfahrzeug, insbesondere in einem Kombinationsfahrzeug, geeignet sein muss (vgl. bzgl. Merkmal 1. erneut Abs. [0002] der SPS).

Randnummer 69

Eine erste Längskante muss gemäß Merkmal 2. so hergerichtet sein, dass sie an einer nicht zum patentgemäßen Gegenstand gehörenden Wickelwelle, die gemäß dem Ausführungsbeispiel nach Figur 1 der SPS (vgl. Abb. 1) in einem im Bereich der Rückbank angeordneten Wickelwellengehäuse gelagert ist, befestigt werden kann.

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Randnummer 70

Abb. 1: Fig. 1 der SPS

Randnummer 71

Merkmal 3. definiert eine weitere mit dem Bezugszeichen 18 versehene und als freie Längskante bezeichnete weitere Kante der Laderaumabdeckung. Das von der Beschwerdegegnerin beanstandete Attribut „laderaumzugangsnah“ zu der freien Längskante bezieht sich zwar auf das nicht beanspruchte Kraftfahrzeug, stellt aber für die beanspruchte Laderaumabdeckung klar, dass diese, im Einklang mit Figur 1 der SPS (vgl. Abb. 1), der ersten Längskante gegenüberliegt.

Randnummer 72

In der Laderaumabdeckung ist eine ebenfalls der Laderaumabdeckung zuzurechnende Durchgriffsöffnung 21 angeordnet (Merkmal 4.), die einen der zweiten Längskante nahen („laderaumzugangsnahen“), in Auszugsrichtung (x) vorn, und einen ihr fernen („laderaumzugangsfernen“) und somit in Auszugsrichtung (x) hinten liegenden Rand (Merkmal 5.) aufweist (vgl. Abb. 1).

Randnummer 73

Gemäß Merkmalsgruppe 6. weist die Laderaumabdeckung lediglich ein einziges die Durchgriffsöffnung in Ruhelage verschließendes Abdeckelement 25 auf, welches in der Ruhelage von einem Federelement, dessen Ausgestaltung und Anordnung dem Fachmann überlassen bleibt, in einer die Durchgriffsöffnung verschließenden Stellung gehalten ist (Merkmal 7., vgl. Abb. 2) und beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung durch einen Benutzer in eine beliebig weit geöffnete Offenlage verschwenkt ist (Merkmal 8., vgl. Abb. 3, die beispielhaft eine mögliche Offenlage zeigt), wobei die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung (zumindest durch das mit Merkmal 7. eingeführte Federelement) erfolgt (Merkmal 9.).

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Randnummer 74

Abb. 2: Fig. 2 der SPS

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Randnummer 75

Abb. 3: Fig. 3 der SPS

Randnummer 76

Merkmal 10. fordert, dass die Schwenkachse des genau einen Abdeckelements an dem „laderaumzugangsnahen“, also an dem der zweiten Längskante nahe gelegenen bzw. in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung angeordnet ist.

Randnummer 77

3.2 Zulässigkeit

Randnummer 78

Der Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag ist zulässig, denn dessen Gegenstand ist in den Anmeldeunterlagen offenbart und auch beschränkt gegenüber dem Gegenstand des Patentanspruchs 1 in der erteilten Fassung. Er ist auch für den Fachmann ausführbar.

Randnummer 79

Die Laderaumabdeckung gemäß Patentanspruch 1 nach Hauptantrag ist gegenüber dem in erteilter Fassung durch die Aufnahme des Merkmals 6.1 im Sinne obiger Auslegung dem Gesamtoffenbarungsgehalt der SPS, die unverändert den ursprünglich eingereichten Unterlagen entspricht, entnommen, insbesondere dem einzigen Ausführungsbeispiel (vgl. Abb. 2 oder 3) und damit auch beschränkt auf nur ein einziges die Durchgriffsöffnung in Ruhelage verschließendes Abdeckelement.

Randnummer 80

Die Merkmale 5. und 10. beinhalten lediglich den Inhalt nicht verändernde Klarstellungen „in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden“, da sich die Verortung, laderaumzugangsnah oder laderaumzugangsfern, der (beiden in Rede stehenden) Ränder der Durchgriffsöffnung dem Fachmann bereits in der Fassung des erteilten Patentanspruchs 1 aus dem Gesamtinhalt der SPS erschlossen hat.

Randnummer 81

Mithin ist der Hauptanspruch auf eine Laderaumabdeckung für ein Kraftfahrzeug gerichtet, die für den Fachmann als mögliche Ausführungsvariante ursprünglich ausreichend offenbart war und auch zu einer Beschränkung führt.

Randnummer 82

3.3 Patentfähigkeit

Randnummer 83

Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 beruht gegenüber demjenigen der Druckschrift D1 unter Heranziehung seines Fachwissens, beispielhaft belegt durch die Druckschrift D3, nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit. Er ist daher nicht patentfähig.

Randnummer 84

Die Druckschrift D1 offenbart eine Laderaumabdeckung 10 für ein Kraftfahrzeug (Merkmal 1.; vgl. Patentanspruch 1), deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und deren zweite freie Längskante laderaumzugangsnah im Sinne von in Auszugsrichtung (z) vorn an der Karosserie anordenbar ist, (Merkmale 2. und 3.; vgl. Abs. [0014] und Abb. 4).

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Randnummer 85

Abb. 4: Fig. 3 der Druckschrift D1

Randnummer 86

In der Laderaumabdeckung ist eine Durchgriffsöffnung 13 gemäß den Merkmalen 4. und 5. angeordnet (vgl. Abb. 4), die zwei Ränder aufweist, einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (z) vorn liegenden Rand (vgl. in Abb. 4 den rechten Rand) und einen laderaumzugangsfernen und somit in Auszugsrichtung (z) hinten liegenden Rand (vgl. in Abb. 4 den linken Rand).

Randnummer 87

Gemäß Merkmalsgruppe 6. verschließt genau ein Abdeckelement 22 in seiner Ruhelage die Durchgriffsöffnung (vgl. Abb. 4), welches dabei von einem Federelement in verschließender Stellung gehalten ist (Merkmal 7.; vgl. Abs. [0021]). Beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung durch einen Benutzer wird das Abdeckelement in eine beliebige Offenlage verschwenkt, wobei die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt (Merkmale 8. und 9.; vgl. Abs. [0022]).

Randnummer 88

Somit unterscheidet sich die Laderaumabdeckung gemäß Patentanspruch 1 von derjenigen der Druckschrift D1 durch das Merkmal 10.. Die dort angegebene Anordnung, wonach die Schwenkachse des genau einen Abdeckelements an dem laderaumzugangsnahen Rand der Durchgriffsöffnung (also am rechten Rand in Abb. 4) angeordnet ist, ist der Druckschrift D1 nicht unmittelbar und eindeutig zu entnehmen, da sie im dortigen einzigen Ausführungsbeispiel die Anordnung der Schwenkachse an der dem freien Randbereich 12 der Abdeckplane 11 abgewandten Seite und daher nicht am laderaumzugangsnahen bzw. in Auszugsrichtung (z) vorn liegenden Rand lehrt (vgl. Abb. 4).

Randnummer 89

Allerdings erhält der sich ständig auf der Suche nach Verbesserungen befindende Fachmann durch die Druckschrift D1 selbst Hinweise darauf, dass die Schwenkachse auch an einer anderen Stelle als am laderaumzugangsfernen Rand der Durchgriffsöffnung angeordnet werden kann. Denn Abs. [0010] der Druckschrift D1 beschreibt als dortige Erfindungsvariante ein Abdeckelement, das an einer sich quer zur Öffnungs- oder Schließrichtung erstreckenden Achse benachbart der Durchgriffsöffnung angelenkt ist. Zwar folgt unmittelbar darauf die Erläuterung, dass es besonders günstig sei, das Abdeckelement am laderaumzugangsfernen Rand der Durchgriffsöffnung anzulenken („…Eine Zugbetätigung durch die Bedienungshand gestaltet sich erfindungsgemäß besonders günstig im Zusammenhang mit entgegen ihrer Auszugsrichtung federbelasteten Abdeckrollos dann, wenn die Achse des Abdeckelements an der dem freien Randbereich der Abdeckplane abgewandten Seite der Durchgriffsöffnung angeordnet ist.“; Unterstreichung diesseitig hinzugefügt). Aber durch diese Erläuterung wird implizit auch die Möglichkeit offenbart, das Abdeckelement alternativ dazu am gegenüberliegenden, also am laderaumzugangsnahen Rand der Durchgriffsöffnung anzulenken, wenn auch der angegebene Vorteil damit möglicherweise nicht erreicht werden kann. Ein weiterer diesbezüglicher Hinweis ergibt sich auch aus dem letzten Satz des Abs. [0022] der Druckschrift D1.

Randnummer 90

Wenn der zuständige Fachmann somit die implizit angeregte Abwandlung der Anordnung der Schwenkachse hin zum laderaumzugangsnahen Rand der Durchgriffsöffnung auf die explizit offenbarte Laderaumabdeckung der Druckschrift D1 anwendet, gelangt er ohne Weiteres in naheliegender Weise zu einer Laderaumabdeckung gemäß Anspruch 1 nach Hauptantrag. Der Gegenstand nach Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag beruht daher nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit.

Randnummer 91

Die Auffassung der Patentinhaberin, wonach es erheblicher konstruktiver Änderungen am Ausführungsbeispiel der Druckschrift D1 bedürfe, um zu einer an dem laderaumzugangsnahen Rand angeordneten Schwenkachse zu gelangen, vermag der Senat nicht zu teilen. Dem hier zuständigen Fachmann sind solche kleineren Konstruktionsarbeiten wie kollisionsfreie Anpassungen der Schraubverbindungen im Hinblick auf die geänderte Schwenkachse zuzutrauen, ohne dass er dabei erfinderisch tätig werden muss. Darüber hinaus gehende Hindernisse oder Schwierigkeiten sind dabei auch nicht zu erwarten, die ihn davon abhalten könnten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der zu seinem präsenten Wissen gehörenden, mehrere Abdeckelemente in einer Durchgriffsöffnung offenbarenden Druckschrift D3 mit Abdeckelementanlenkungen sowohl an laderaumzugangsnahen als auch an laderaumzugangsfernen Rändern der Durchgriffsöffnung gemäß den dortigen Figuren 5 bis 7, denen ebenfalls keine konstruktiven Besonderheiten oder Schwierigkeiten bei einer an dem laderaumzugangsnahen Rand der Durchgriffsöffnung angeordneten Schwenkachse zu entnehmen sind. Denn die dortigen Schwenkachsen sind an beiden Rändern identisch ausgeführt.

Randnummer 92

4. Hilfsantrag 1

Randnummer 93

Der Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 ist zulässig, denn dessen Gegenstand ist in den Anmeldeunterlagen offenbart und gegenüber dem Gegenstand des Patentanspruchs 1 in der erteilten Fassung beschränkt. Er ist für den Fachmann auch ausführbar.

Randnummer 94

Allerdings beruht er gegenüber dem der Druckschrift D1 unter Heranziehung von Fachwissen nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit. Er ist daher nicht patentfähig.

Randnummer 95

Der nachstehend in gegliederter Form angegebene Patentanspruch 1 nach Hilfsantrag 1 definiert eine

Randnummer 96

1. Laderaumabdeckung (10) für ein Kraftfahrzeug (11),

Randnummer 97

2. deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und

Randnummer 98

3. deren zweite freie Längskante (18) laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist,

Randnummer 99

4. mit einer in der Laderaumabdeckung (10) angeordneten Durchgriffsöffnung (21),

Randnummer 100

5. die einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden und einen laderaumzugangsfernen Rand aufweist, und

Randnummer 101

6. mit einem Abdeckelement (25) für die Durchgriffsöffnung (21),

Randnummer 102

6.1 wobei lediglich ein die Durchgriffsöffnung (21) in Ruhelage verschließendes Abdeckelement (25) vorgesehen ist,

Randnummer 103

7. welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung (21) verschließenden Stellung gehalten ist und

Randnummer 104

8. beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung (21) durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei

Randnummer 105

9. die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt, wobei

Randnummer 106

10. die Schwenkachse (26) des lediglich einen Abdeckelements (25) an dem laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung (21) angeordnet ist,

Randnummer 107

11.Hi1 wobei das Abdeckelement (25) in Offenstellung an der Laderaumabdeckung (10) unterseitig anliegt.

Randnummer 108

Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 unterscheidet sich gegenüber dem des Hauptantrags durch die Aufnahme des dem ursprünglichen Patentanspruch 2 bzw. dem Abs. [0012] der SPS entnommenen Merkmals 11. Hi1. Das Abdeckelement liegt demnach in Offenstellung an der Laderaumabdeckung unterseitig an.

Randnummer 109

Hinsichtlich der Auslegung der Merkmale 1. bis 10. wird auf vorstehende Ausführungen unter Ziffer 3.1 – zur Vermeidung von Wiederholungen – verwiesen.

Randnummer 110

Nach Überzeugung des Senats versteht der Fachmann unter einem in Offenstellung unterseitigen Anliegen des Abdeckelements an der Laderaumabdeckung im Lichte der Gesamtoffenbarung, dass das Abdeckelement so weit verschwenkt werden kann, bis es mit einem beliebigen Teilbereich an einem nicht weiter definierten Bereich der Unterseite der Laderaumabdeckung in Offenstellung, somit der maximalen Offenlage, zum Anliegen kommt. Abs. [0012] wiederholt lediglich die Formulierung des ursprünglichen Anspruchs 2 und gibt insoweit auch keine weiteren Hinweise in Richtung einer enger gefassten Auslegung. Als Bereiche der Unterseite der Laderaumabdeckung sind demnach zweifelsfrei auch jene Unterseitenbereiche des zur Laderaumabdeckung gehörenden Laderaumabdeckungsrands der Durchgriffsöffnung mitumfasst (vgl. Definition durch die Merkmale 4. und 5.). Für eine engere Auslegung, wonach sich das unterseitige Anliegen lediglich auf den flexiblen, aufwickelbaren Teil der Laderaumabdeckung bezieht, lässt das Streitpatent keinen Raum.

Randnummer 111

Die Druckschrift D1 offenbart eine Schwenkmöglichkeit des Abdeckelements 22 in v-Richtung bis zum Anschlag an die Unterseite des mit dem Bezugszeichen 28 versehenen Bauteils (vgl. Abs. [0017]: „klauenartiger Ansatz), das zweifelsfrei einen Bereich an der Unterseite der Laderaumabdeckung bildet (vgl. erneut Abb. 4 und die nachfolgend noch eingeblendete Abb. 5). Der Gegenstand der Druckschrift D1 erfüllt somit im Sinne der vorstehenden Auslegung auch die Forderung des Merkmals 11. Hi1.

Randnummer 112

Folglich fügt das zusätzliche Merkmal der bereits als naheliegend nachgewiesenen Laderaumabdeckung nach Patentanspruch 1 gemäß Hauptantrag lediglich ein weiteres, aus der Druckschrift D1 bekanntes Merkmal hinzu.

Randnummer 113

Mithin beruht auch der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 1 nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit.

Randnummer 114

5. Hilfsantrag 2

Randnummer 115

Der Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 2 ist zulässig, denn dessen Gegenstand ist in den Anmeldeunterlagen offenbart und gegenüber dem Gegenstand des Patentanspruchs 1 in der erteilten Fassung beschränkt. Er ist für den Fachmann auch ausführbar.

Randnummer 116

Allerdings beruht er gegenüber dem der Druckschrift D1 unter Heranziehung von Fachwissen nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit. Er ist daher nicht patentfähig.

Randnummer 117

Der nachstehend in gegliederter Form angegebene Patentanspruch 1 nach Hilfsantrag 2 definiert eine

Randnummer 118

1. Laderaumabdeckung (10) für ein Kraftfahrzeug (11),

Randnummer 119

2. deren erste Längskante an einer Wickelwelle befestigt ist und

Randnummer 120

3. deren zweite freie Längskante (18) laderaumzugangsnah an der Karosserie anordenbar ist,

Randnummer 121

4. mit einer in der Laderaumabdeckung (10) angeordneten Durchgriffsöffnung (21),

Randnummer 122

5. die einen laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden und einen laderaumzugangsfernen Rand aufweist, und

Randnummer 123

6. mit einem Abdeckelement (25) für die Durchgriffsöffnung (21),

Randnummer 124

6.1 wobei lediglich ein die Durchgriffsöffnung (21) in Ruhelage verschließendes Abdeckelement (25) vorgesehen ist,

Randnummer 125

7. welches in einer Ruhelage von einem Federelement in einer die Durchgriffsöffnung (21) verschließenden Stellung gehalten ist und

Randnummer 126

8. beim Eingriff in die Durchgriffsöffnung (21) durch einen Benutzer in eine Offenlage verschwenkt ist, wobei

Randnummer 127

9. die Schwenkbewegung unter Aufbau einer rückstellenden Federspannung erfolgt, wobei

Randnummer 128

10. die Schwenkachse (26) des lediglich einen Abdeckelements (25) an dem laderaumzugangsnahen, in Auszugsrichtung (x) vorn liegenden Rand der Durchgriffsöffnung (21) angeordnet ist,

Randnummer 129

11.Hi1 wobei das Abdeckelement (25) in Offenstellung an der Laderaumabdeckung (10) unterseitig anliegt,

Randnummer 130

12.Hi2 wobei der Rand der Durchgriffsöffnung (21) gemeinsam mit dem in Offenstellung verschwenkten Abdeckelement (25) einen Handgriff ausbildet,

Randnummer 131

13.Hi2 wobei der Handgriff gegenüber der Materialstärke der Randeinfassung der Durchgriffsöffnung (21) und der Materialstärke der Laderaumabdeckung (10) selbst größer gestaltet ist.

Randnummer 132

Der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 2 unterscheidet sich gegenüber dem des Hilfsantrags 1 durch die Aufnahme der dem Abs. [0015] der SPS entnommenen Merkmale 12. Hi2 und 13. Hi2.

Randnummer 133

Hinsichtlich der Auslegung der Merkmale 1. bis 11. wird auf vorstehende Ausführungen unter den Ziffern 3.1 und 4 – zur Vermeidung von Wiederholungen – verwiesen.

Randnummer 134

Der der freien Längskante näher liegende Rand der Durchgriffsöffnung bildet gemeinsam mit dem in Offenstellung verschwenkten Abdeckelement einen Handgriff aus (Merkmal 12. Hi2), der gegenüber der Materialstärke der Randeinfassung der Durchgriffsöffnung und gegenüber der Materialstärke der Laderaumabdeckung selbst größer gestaltet ist. (Merkmal 13. Hi2). Auf diese Weise wird ein die greifende Hand ausfüllendes Griffelement geschaffen, welches eine angenehme Haptik bei der Benutzung der Laderaumabdeckung gewährleistet und die Druckbelastung beim Abziehen der Laderaumabdeckung von der Wickelwelle durch eine Vergrößerung der aneinander anliegenden Flächen von Hand und Griff verringert (vgl. Abs. [0015] der SPS).

Randnummer 135

Die Druckschrift D1 offenbart ausweislich deren Fig. 3 einen Rand, der zusammen mit dem verschwenkten Abdeckelement einen Handgriff ausbildet, der sowohl gegenüber der Materialstärke der durch die beiden klauenartigen Ansätze 27, 28 gebildeten Randeinfassung der Durchgriffsöffnung – im für die Handberührung relevanten inneren Bereich – größer gestaltet ist (vgl. die nachfolgende Abb. 5, die u.a. strichliniert die Offenstellung des Abdeckelements und den vergrößerten Handgriff in der Figur 3 zusätzlich zeigt) als auch zweifelsfrei gegenüber der Materialstärke der „Laderaumabdeckung selbst“ in Gestalt des Abdeckelements 25.

Abbildung in Originalgröße in neuem Fenster öffnen

Randnummer 136

Abb. 5: Figur 3 der Druckschrift D1 mit Ergänzungen und Weglassungen

Randnummer 137

Folglich fügen die zusätzlichen Merkmale 12. Hi2 und 13. Hi2 der bereits als naheliegend nachgewiesenen Laderaumabdeckung nach Patentanspruch 1 gemäß Hilfsantrag 1 lediglich zwei weitere aus der Druckschrift D1 bekannte Merkmale hinzu.

Randnummer 138

Mithin beruht auch der Gegenstand des Patentanspruchs 1 gemäß Hilfsantrag 2 nicht auf einer erfinderischen Tätigkeit.

Randnummer 139

6. Die vom Vertreter der Patentinhaberin vorgetragen Hilfskriterien (Zeitfaktor oder Vorteile) zur Beurteilung der erfinderischen Tätigkeit mögen zwar im Einzelfall Anlass geben, die im Stand der Technik bekannten Lösungen besonders kritisch daraufhin zu überprüfen, ob sie vor dem allgemeinen Hintergrund des allgemeinen Fachwissens hinreichende Anhaltspunkte für ein Naheliegen des Gegenstandes der Erfindung bieten. Sie können aber die vorstehende inhaltliche Bewertung des Standes der Technik nicht ersetzen (BGH GRUR 2010, 44 – Dreinahtschlauchfolienbeutel).

Randnummer 140

7. Einer Beurteilung der weiteren Patentansprüche der jeweiligen Anträge bedarf es in der Folge nicht, da mit dem jeweils nicht gewährbaren Patentanspruch 1 dem jeweiligen Antrag als Ganzes nicht stattgegeben werden kann (BGH GRUR 1997, 120 – Elektrisches Speicherheizgerät; BGH GRUR 2007, 862 – Informationsübermittlungsverfahren II).

Randnummer 141

8. Bei dieser Sach- und Aktenlage war die Beschwerde zurückzuweisen.

Zitierte Vorschriften

Außerdem: § 6 PatKostG

Amtliche Veröffentlichung der Entscheidung Leitsätze des Gerichts, keine Leitsätze oder Anmerkungen von Verlagen.

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