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MucLSGVOHirschauObereIsarau · Verordnung der Landeshauptstadt München über das Landschaftsschutzgebiet „Hirschau und Obere Isarau“

Eingangsformel MucLSGVOHirschauObereIsarau

Wortlaut aus dem Stadtrecht der Landeshauptstadt München, Stand 31.08.2024.

Verordnung der Landeshauptstadt München über das Landschaftsschutzgebiet „Hirschau und Obere Isarau“

vom 2. August 2013

Stadtratsbeschluss: 24.07.2013

Bekanntmachung: 20.08.2013 (MüABl. S. 317)

Änderungen: 11.07.2024 (MüABl. S. 651)

Die Isar mit ihren großflächigen Auelebensräumen ist heute noch eine der bedeutsamsten Verbundachsen für den Lebensraumverbund zwischen Alpen und Donau. Fast 300 km legt die Isar zurück, bevor sie bei Deggendorf in die Donau mündet und damit schließlich in das Schwarze Meer fließt. Auf ihrem Weg durchfließt sie die Münchner Schotterebene mit der Stadt München und durchquert ab Moosburg das Tertiäre Hügelland.

Im Zuge der Umgestaltung durch den Menschen haben sich die Abflussbedingungen in der Isar und die Grundwasserverhältnisse in ihrem Einzugsbereich spätestens seit dem 19. Jahrhundert stark verändert. Starke Abflussschwankungen, Geschiebetransport und Umlagerungsvorgänge in der gesamten Flussauenzone gehören der Vergangenheit an. Heute präsentiert sich die nördliche Isar in einem Flussbett, das gegenüber der begleitenden Aue streckenweise über 8 Meter eingetieft ist und mit einer Abflussdynamik, die von der Ausleitung von Isarwasser zur Energiegewinnung bestimmt wird.

Gleichwohl die dynamischen Prozesse weitgehend zum Erliegen gekommen sind, weist die Isar mit ihren flussbegleitenden Auwäldern auch heute noch eine hohe Lebensraumvielfalt auf. Reste der auetypischen Lebensräume, unter anderem Alt- und Kleingewässer, Nass- und Feuchtlebensräume oder vegetationsarme Sedimentbänke sind Zeugen der ursprünglichen Wildflusslandschaft.

Die Umgestaltung der Auen und deren Verbrauch für Siedlungsflächen, Landwirtschaft und Infrastruktur erfolgte bereits im Mittelalter und hält bis heute an. Siedlungsprojekte, Aus- oder Neubau von Verkehrswegen, Grundstücksspekulationen und berechtigte Interessen, bestehende Nutzungen den heutigen Erfordernissen anzupassen, verändern das Gesicht der Isar mit ihrer Aue. Gleichzeitig steigt der Bedarf der Menschen im immer dichter besiedelten Münchner Raum naturbelassene Freiräume aufzusuchen und diese für Freizeitaktivitäten und zur Erholung zu nutzen.

Der historischen Entwicklung ist es letztlich zu verdanken, dass die Isar im Münchner Norden heute noch als landschaftliche Einheit mit Teilen ihrer Aue erlebt werden kann. Die Hirschau diente ursprünglich als kurfürstliches Jagdgebiet und war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts großteils bewaldet. Ende 1799 wurde die Hirschau an den Englischen Garten angegliedert und nach Entwürfen von Friedrich Ludwig von Sckell (1750 - 1823) innerhalb weniger Jahre nach der Idee des Englischen Landschaftsgartens umgestaltet. Überlieferungen zufolge prägten zu dieser Zeit noch Hochwässer und wiederkehrende Überflutungen die Hirschau mit und bis heute dominieren Bäume der Hartholzaue wie Stieleiche, Esche und Bergahorn die Baumschicht. Die Hirschau bildet den flächenmäßig größeren Anteil des Englischen Gartens und wird durch die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung als historische Parkanlage erhalten und behutsam gepflegt. Sie ist der von den Besucherzahlen deutlich ruhigere Parkteil des Englischen Gartens, welcher seit 1960 durch den Mittleren Ring durchtrennt wird. Auch die Reste des historischen Biedersteiner Parkes, ebenfalls von Friedrich Ludwig von Sckell gestaltet, wurden beim Bau des Mittleren Rings beseitigt. Die heutige Grünanlage auf dem Biedersteiner Tunnel kann lediglich auf die einstige kulturelle Bedeutung dieses Ortes hinweisen, wo Königin Karoline zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihren Landsitz errichten ließ.

Im weiteren Verlauf in Richtung Norden wird die isarbegleitende Parklandschaft durch Wälder der für ihre nachhaltige Waldbewirtschaftung zertifizierten Bayerischen Staatsforsten abgelöst. Die Waldflächen werden nach dem Leitbild einer naturnahen Forstbewirtschaftung und in Rücksicht auf die Belange des Naturschutzes und anderer Waldfunktionen bewirtschaftet, wobei in naturschutzfachlich bedeutenden Teilen die forstwirtschaftliche Nutzung in den Hintergrund tritt und sich die Natur wieder frei entfalten darf. Hier hat auch der Biber heute wieder Reviere in Besitz genommen, nachdem er in Bayern komplett ausgerottet und ab 1967 erfolgreich wieder eingebürgert wurde.

Der östlich der Isar ebenfalls in das Schutzgebiet mit einbezogene Hang der Isar-Hochterrasse zeugt von den gewaltigen Kräften der früheren Kaltzeiten (Risseiszeit). Seine zahlreichen Hangquellen entwässern in den am Hangfuß fließenden Brunnbach, welcher nach einer Überbauung seiner eigentlichen Quellbereiche inzwischen vollständig auf das Wasser der Hangschichtquellen angewiesen ist. Das Wasser des Brunnbachs wurde aufgrund seiner Reinheit einst als Heilwasser sehr geschätzt. Und auch heute noch weisen die Quellen am Brunnbach Trinkwasserqualität auf und beherbergen eine außergewöhnliche und einmalige Quellfauna.

Die als „Korrektion des Isarflusses“ Anfang des 19. Jahrhunderts gefeierte Regulierung und Begradigung der Isar, ermöglichte erstmals die Kultivierung der Bogenhausener Au (heutiger Herzogpark) und führte zu einem nicht unerheblichen Flächenzuwachs des Landsitzes des Ministers Grafen Montgelas. Dieser beauftragte Friedrich Ludwig von Sckell, die der Isar „entrissenen“ Kiesflächen zusammen mit den Gartenflächen seines Landsitzes zu einem privaten Landschaftsgarten umzugestalten. als einziger bedeutender Privatpark, den Sckell in München ausführen durfte, entstand so zwischen 1805 und 1814 ein schließlich über 13 ha großer Naturgarten, welcher sich über das steile Isarufer in die Flussauen hinab erstreckte. Nachdem die Liegenschaften mehrfach den Besitzer gewechselt hatten, geriet auch die Gartenanlage bereits Ende des 19. Jahrhunderts in den Sog der stadtnahen Bodenspekulationen. Dies führte schließlich im Jahr 1900 zur Veräußerung an eine Terrain-Aktiengesellschaft, der kurz darauf die Erschließung und Bebauung des Herzogparks folgte. Vom Montgelas-Park sind heute nur wenige Spuren verblieben. Die langgezogene Grünanlage entlang dem Isarufer, die sich von der Montgelasstraße bis hin zum Grüntal erstreckt und durch den Gartenbau der Stadt München unterhalten wird, konnte von Bebauung freigehalten werden.

Mit der Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG in Deutschland gehört die Isar mit ihren flussbegleitenden Lebensräumen auf ihrer überwiegenden Fließstrecke zum europäischen ökologischen Netz NATURA 2000. Als Teil dieses europaweit gesponnenen Netzes an natürlichen Lebensräumen soll sie dazu beitragen, das europäische Naturerbe für die uns nachfolgenden Generationen zu erhalten. Im vorliegenden Landschaftsschutzgebiet ist die Isar mit ihren Auwäldern ab Oberföhring bis hin zur Stadtgrenze im Norden Teil dieses ökologischen Netzes und als FFH-Gebiet gemäß FFH-Richtlinie der Europäischen Union geschützt.

Das Ziel der Schutzgebietsausweisung ist es, die noch bestehenden Teile dieses einzigartigen Naturraumes mit seinen vielfältigen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen und mit seiner Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes im nördlichen München zu erhalten. Für die Bereiche, die Teil des FFH-Gebietes sind, soll darüber hinaus der besondere Schutz nach den Anforderungen der FFH-Richtlinie sichergestellt werden.

Die Landeshauptstadt München erlässt aufgrund von § 20 Abs. 2 Nr. 4, § 22 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 und § 26 des Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) vom 29.07.2009 (BGBl. I S. 2542), zuletzt geändert durch Gesetz vom 21.01.2013 (BGBl. I S. 95) i.V.m. Art. 12 Abs. 1 Satz 1, Art. 31 und Art. 51 Abs. 1 Nr. 3 des Gesetzes über den Schutz der Natur, die Pflege der Landschaft und die Erholung in der freien Natur (Bayerisches Naturschutzgesetz - BayNatSchG) vom 23.02.2011 (GVBl. S. 82, BayRS 791-1-UG), geändert durch Gesetz vom 08.04.2013 (GVBl. S. 174), folgende Verordnung:

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